Tao Te Ching Kapitel 41: Der vollständige Kommentar

Der folgende Inhalt bietet eine multiperspektivische Tiefenanalyse jedes Satzes dieses Kapitels, die traditionelle Kommentare, philologische Analysen, philosophische Interpretationen und weitere Dimensionen umfasst. Grundtext: Wang Bis Kommentar zum Daode Zhenjing, Ausgabe des Zhengtong Daozang
Die „Kombination"-Bezeichnung jeder Deutung folgt dem Format „Zeichen + Bedeutungsnummer" (z.B. „dàoC-A"), d.h. diese Deutung verwendet Bedeutung C von „dào" und Bedeutung A von „". Das vollständige Glossar finden Sie am Ende dieses Kapitels: [Anhang: Glossar der Schlüsselzeichen].

[Satz 1] shàngshìwéndàoqínérxíngzhī;(Der überlegene Mensch, der das Tao vernimmt, übt es mit Eifer aus;)

Kapitel 41 · Satz 1: shàngshìwéndàoqínérxíngzhī

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: shàngshìA-wénA-dàoA-qínA-xíngA
Übersetzung: Ein Mensch von überlegener Befähigung übt, sobald er das Tao (dào) vernimmt, es eifrig und unablässig aus.
Deutung: Die gängigste Auslegung. Der überlegene Mensch besitzt scharfes Verständnis und feste Überzeugung; sobald er vom großen Tao hört, setzt er es sofort in die Tat um. Heshanggong kommentiert: „shàngshìwéndàoqínjiéérxíngzhī" („Der überlegene Mensch strengt sich, wenn er das Tao vernimmt, mit aller Kraft an, es auszuüben"). Dieser Satz bildet die erste von drei Vergleichsebenen im gesamten Kapitel — die Haltung gegenüber dem Tao bestimmt die Stufe des Menschen.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong: „shàngshìwéndàoqínjiéérxíngzhī" („Der überlegene Mensch strengt sich, wenn er das Tao vernimmt, mit aller Kraft an, es auszuüben").
Kapitel 41 · Satz 1: shàngshìwéndàoqínérxíngzhī

[Deutung 2] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: shàngshìB-wénB-dàoA
Übersetzung: Der dem Tao ergebene Edle, der dessen wahres Wesen zutiefst erfasst hat, übt es mit Eifer aus.
Deutung: Hier wird „wén" im Sinne von „begreifen" verstanden. Es geht nicht nur um das Hören mit den Ohren, sondern um das Erfassen mit dem Herzen. Wenn der überlegene Mensch „es eifrig ausübt", liegt das daran, dass er die Bedeutung des Tao wahrhaft begriffen hat und ihm aus tiefstem Inneren folgt.
Ähnliche Ansichten: Die Gespräche des Konfuzius (《lùn》): „cháowéndào" („Wer am Morgen das Tao vernimmt, kann am Abend zufrieden sterben").

[Satz 2] zhōngshìwéndàoruòcúnruòwáng;(Der mittelmäßige Mensch, der das Tao vernimmt, schwankt zwischen Glauben und Zweifel;)

Kapitel 41 · Satz 2: zhōngshìwéndàoruòcúnruòwáng

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: zhōngshìA-ruòcúnruòwángA
Übersetzung: Ein Mensch mittlerer Befähigung schwankt, wenn er das Tao vernimmt, zwischen Glauben und Zweifel.
Deutung: Der mittelmäßige Mensch steht dem Tao zwiespältig gegenüber — während er zuhört, findet er es einleuchtend, doch sobald er in den Alltag zurückkehrt, lässt er sich von weltlichen Versuchungen verführen. Heshanggong kommentiert: „zhìshēnzhǎngcúnzhìguótàipíngxīnránércúnzhī退tuìjiàncáirónghuòqíngérwángzhī" („Er bewahrt es freudig zur Selbstkultivierung und guten Regierung, doch angesichts von Reichtum, Schönheit und Ehre wird er von Begierden verführt und verliert es wieder") — eine treffende Beschreibung dieses Schwankens zwischen dem Tao und der Begierde.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong: „xīnránércúnzhī退tuìjiàncáirónghuòqíngérwángzhī" („Er bewahrt es freudig, doch angesichts von Reichtum, Schönheit und Ehre wird er von Begierden verführt und verliert es wieder").

[Satz 3] xiàshìwéndàoxiàozhī。(Der niedere Mensch, der das Tao vernimmt, bricht in lautes Gelächter aus.)

Kapitel 41 · Satz 3: xiàshìwéndàoxiàozhī

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: xiàshìA-xiàoA
Übersetzung: Ein Mensch niederer Befähigung bricht, wenn er das Tao vernimmt, in lautes Gelächter aus.
Deutung: Der niedere Mensch ist aufgrund seiner Stumpfheit unfähig, den tiefen Sinn des Tao zu begreifen, und findet es stattdessen absurd und lächerlich. Heshanggong kommentiert: „xiàshìtānhěnduōjiàndàoróuruòwèizhīkǒngjiàndàozhìwèizhīlòuxiàozhī" („Der niedere Mensch ist gierig und voller Begierden; sieht er das Tao als sanft und nachgiebig, verachtet er es; sieht er es als schlicht und schmucklos, hält er es für plump — darum lacht er laut"). Der niedere Mensch beurteilt das Tao nach weltlichen Maßstäben von Stärke und Schwäche, Feinheit und Schlichtheit, und findet es naturgemäß lächerlich.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong: „xiàshìtānhěnduōjiàndàoróuruòwèizhīkǒngjiàndàozhìwèizhīlòu" („Der niedere Mensch ist gierig und voller Begierden; sieht er das Tao als sanft, verachtet er es; sieht er es als schlicht, hält er es für plump").

[Satz 4] xiàowèidào。(Würde es nicht verlacht, wäre es nicht würdig, Tao genannt zu werden.)

Kapitel 41 · Satz 4: xiàowèidào

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: Standarddeutung
Übersetzung: Würde es nicht verlacht, wäre es nicht würdig, Tao genannt zu werden.
Deutung: Dieser Satz ist das Glanzstück des gesamten Kapitels — der Grund, weshalb das Tao das Tao ist, liegt gerade darin, dass es von der Welt nicht verstanden wird. Wäre das Tao offensichtlich und allgemein anerkannt, wäre es nicht das wahre Tao. Wahrhaft tiefe Wahrheit übersteigt notwendigerweise den gesunden Menschenverstand und wird unvermeidlich von oberflächlichen Geistern verspottet. Heshanggong kommentiert: „wèixiàshìsuǒxiàomíngwèidào" („Würde es von den Niederen nicht verlacht, verdiente es nicht den Namen Tao"). Dieser Satz birgt auch einen impliziten Trost und eine Ermutigung: Wenn man für die Ausübung des Tao verspottet wird, so ist das gerade das Zeichen, dass man auf dem rechten Weg ist.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong: „wèixiàshìsuǒxiàomíngwèidào" („Würde es von den Niederen nicht verlacht, verdiente es nicht den Namen Tao").

[Satz 5] jiànyányǒuzhīmíngdàoruòmèijìndàoruò退tuìdàoruòlèishàngruòtàibáiruò广guǎngruòjiànruòtōuzhìzhēnruò;(Darum heißt es in einem alten Spruch: Das helle Tao erscheint dunkel; das voranschreitende Tao erscheint zurückweichend; das ebene Tao erscheint holprig; die höchste Tugend erscheint wie ein Tal; die reinste Weiße erscheint befleckt; die weiteste Tugend erscheint unzureichend; die standhafteste Tugend erscheint nachlässig; reinste Echtheit erscheint veränderlich;)

Kapitel 41 · Satz 5: jiànyányǒuzhīmíngdàoruòmèijìndàoruò退tuìdàoruòlèishàngruòtàibáiruò广guǎngruòjiànruòtōuzhìzhēnruò

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: Gesamtdeutung der acht Paradoxien
Übersetzung: Darum heißt es in einem alten Spruch: Das helle Tao erscheint dunkel; das voranschreitende Tao erscheint zurückweichend; das ebene Tao erscheint holprig; die höchste Tugend () erscheint wie ein Tal; die reinste Weiße erscheint befleckt; die weiteste Tugend erscheint unzureichend; die standhafteste Tugend erscheint nachlässig; reinste Echtheit erscheint veränderlich.
Deutung: Diese acht Paradoxien bilden eine systematische Darlegung des Widerspruchs zwischen Erscheinung und Wesen im Tao und in der Tugend. Die wahre Natur des Tao und der Tugend ist den weltlichen Beurteilungsmaßstäben genau entgegengesetzt — scheinbare Dunkelheit ist in Wahrheit echtes Licht, scheinbarer Rückzug ist in Wahrheit echtes Voranschreiten. Genau deshalb „bricht der niedere Mensch in Gelächter aus": Die weltliche Sichtweise nimmt nur die Erscheinungen wahr (dunkel, zurückweichend, holprig…), während die wahre Substanz (hell, voranschreitend, eben…) verborgen im Inneren liegt.
Ähnliche Ansichten: Parallele Paradoxienstrukturen in Kapitel 45: „chéngruòquē" („Die größte Vollendung erscheint unvollkommen") und „yíngruòchōng" („Die größte Fülle erscheint leer").
Kapitel 41 · Satz 5: jiànyányǒuzhīmíngdàoruòmèijìndàoruò退tuìdàoruòlèishàngruòtàibáiruò广guǎngruòjiànruòtōuzhìzhēnruò

[Deutung 2] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: Wang Bis Ansatz: Betonung des ‚Nicht-Schaffens und Nicht-Aufzwingens' des Tao
Übersetzung: Gleiche Übersetzung wie oben.
Deutung: Obwohl Wang Bis Kommentar knapp ist (die meisten Einträge sind ohne Anmerkung), stimmt seine Grundlogik mit „zàoshīyīnzhīxìng" („weder schaffen noch aufzwingen, sondern der Natur der Dinge folgen") überein: Der Grund, weshalb das Tao „dunkel" oder „zurückweichend" erscheint, liegt darin, dass es sich nicht absichtlich zur Schau stellt — hell, ohne zu blenden (scheinbar dunkel), voranschreitend, ohne zu wetteifern (scheinbar zurückweichend), eben, ohne Unebenheiten auszuschließen (scheinbar holprig). Jedes „erscheint" (ruò) verweist auf denselben Begriff: die Selbstverbergung des Tao.
Ähnliche Ansichten: In derselben Linie wie Kapitel 4 „guāngtóngchén" („Sein Licht mildern, sich mit dem Staub vereinen") und Kapitel 56 „cuòruìjiěfēn" („Seine Schärfe abstumpfen, seine Verwirrung lösen").

[Satz 6] fāngwǎnchéngyīnshēngxiàngxíngdàoyǐnmíng。(Das größte Viereck hat keine Ecken; das größte Gefäß braucht am längsten zur Vollendung; die größte Musik hat den leisesten Klang; das größte Bild hat keine Gestalt; das Tao ist verborgen und namenlos.)

Kapitel 41 · Satz 6: fāngwǎnchéngyīnshēngxiàngxíngdàoyǐnmíng

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: Standarddeutung der fünf großen Paradoxien
Übersetzung: Das größte Viereck hat keine Ecken; das größte Gefäß braucht am längsten zur Vollendung; die größte Musik hat den leisesten Klang; das größte Bild hat keine Gestalt; das Tao ist verborgen und namenlos.
Deutung: Diese fünf Paradoxien des „Größten… ohne/spät/leise" bilden den Höhepunkt des Kapitels. Sie enthüllen eine tiefgreifende philosophische These: Alles, was bis zum äußersten Grad der Größe gebracht wird, übersteigt seine eigene Definition — ein Viereck im äußersten Maß hat keine Ecken mehr, ein Klang im äußersten Maß ist nicht mehr hörbar, ein Bild im äußersten Maß hat keine Gestalt mehr. Das Tao ist das Äußerste all dieser „Größen" — verborgen und namenlos, jenseits aller Kategorien.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „fánzhūshànjiēshìdàozhīsuǒnéng" („All diese Vorzüge sind das, wozu das Tao fähig ist").
Kapitel 41 · Satz 6: fāngwǎnchéngyīnshēngxiàngxíngdàoyǐnmíng

[Deutung 2] Umstritten · Mittlere Glaubwürdigkeit

Kombination: ‚Das größte Gefäß wird nie vollendet' (Textvariante der Seidenmanuskripte)
Übersetzung: Das größte Gefäß wird nie vollendet (es befindet sich stets im Werden).
Deutung: Die Seidenmanuskripte von Mawangdui lesen „miǎnchéng" statt „wǎnchéng" — das größte Gefäß wird nicht „spät" vollendet, sondern ist grundsätzlich von der Vollendung „befreit". Es befindet sich stets im Werden, ohne jemals einen endgültigen Zustand der Vollkommenheit zu erreichen. Diese Lesart entspricht besser Laozis Konzept der ewigen Fließfähigkeit des Tao — das Tao hat keinen Endzustand, es befindet sich stets in Wandlung und Schöpfung. Obwohl diese Deutung umstritten ist, stützt sie sich textkritisch auf die Seidenmanuskripte.
Ähnliche Ansichten: Seidenmanuskripte von Mawangdui (Fassung A und B): „miǎnchéng" („Das größte Gefäß ist von der Vollendung befreit").

[Satz 7] wéidàoshàndàiqiěchéng。(Einzig das Tao ist darin vortrefflich, allen Dingen zu geben und sie zur Vollendung zu bringen.)

Kapitel 41 · Satz 7: wéidàoshàndàiqiěchéng

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: dàiA-chéngA
Übersetzung: Einzig das Tao ist darin vortrefflich, allen Dingen zu geben und sie zur Vollendung zu bringen.
Deutung: Der Schlussatz des Kapitels. Obwohl das Tao „verborgen und namenlos" ist — sich niemals offenbart — ist es dennoch „vortrefflich im Geben und Vollenden": Es gibt allen Dingen still, was sie brauchen, und bringt sie zur Erfüllung. Dies ist die endgültige Antwort auf alle Paradoxien des Kapitels: Der Grund, weshalb das Tao „dunkel", „zurückweichend" und „gestaltlos" erscheint, liegt nicht in Schwäche oder Unvermögen, sondern darin, dass es das größte Werk auf die bescheidenste und verborgenste Weise vollbringt. Heshanggong kommentiert: „yándàoshànbǐngdàirénjīngqiěchéngjiùzhī" („Das Tao ist darin vortrefflich, den Menschen Lebensessenz zu verleihen und sie zur Vollendung zu bringen").
Ähnliche Ansichten: Heshanggong: „yándàoshànbǐngdàirénjīngqiěchéngjiùzhī" („Das Tao ist darin vortrefflich, den Menschen Lebensessenz zu verleihen und sie zur Vollendung zu bringen").
Kapitel 41 · Satz 7: wéidàoshàndàiqiěchéng

[Deutung 2] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: dàiB-chéngA
Übersetzung: Einzig das Tao ist darin vortrefflich, allen Dingen (Lebensessenz) zu verleihen und sie zur Erfüllung zu bringen.
Deutung: Hier wird „dài" im Sinne von „verleihen, begaben" verstanden. Das Tao überträgt seine eigene Lebensessenz auf alle Dinge, gibt jedem sein Leben und seine Natur und bringt jedes in seiner eigenen Form und Funktion zur Erfüllung. Das Tao ist der höchste Geber und Vollender aller Dinge, zeigt sich aber niemals selbst — dies ist der grundlegende Grund für alle vorausgehenden Paradoxien.
Ähnliche Ansichten: Kapitel 34: „wànshìzhīshēngérgōngchéngéryǒu" („Alle Dinge stützen sich auf es zum Leben, und es versagt sich nicht; sein Werk ist vollendet, doch es erhebt keinen Anspruch darauf").

Zusammenfassung des Kapitels

Dieses Kapitel enthält 11 Deutungskombinationen.

[Kerndifferenzen]

Kapitel 41 ist die systematischste Darlegung der „paradoxen Natur des Tao" im Tao Te Ching. Das Kapitel gliedert sich in drei Abschnitte: (1) Die drei Menschentypen vernehmen das Tao — anhand der unterschiedlichen Reaktionen der Empfänger wird gezeigt, dass das Tao zwangsläufig von der Mehrheit missverstanden wird; (2) Acht plus fünf Paradoxien — systematische Darstellung der Eigenschaft der „Umkehrung von Erscheinung und Wesen" des Tao und der Tugend; (3) „Vortrefflich im Geben und Vollenden" — Enthüllung der letztlich überaus mächtigen Natur des Tao trotz seiner Verborgenheit. Die Wendungen „yīnshēng" (die größte Musik hat den leisesten Klang) und „xiàngxíng" (das größte Bild hat keine Gestalt) sind zu Kernkategorien der chinesischen Ästhetik geworden und von weitreichendem Einfluss.

Anhang: Glossar der Schlüsselzeichen

shàngshì
A. Mensch von überlegener Befähigung; Person höchster Einsichtsfähigkeit
Quelle: Grundbedeutung.
B. Dem Tao ergebener Edler
Quelle: Erweiterte Bedeutung.
wén
A. [Verb] Hören, vernehmen
Quelle: Grundbedeutung.
B. [Verb] Begreifen, verstehen
Quelle: Erweiterte Bedeutung. „wéndào" (das Tao vernehmen) enthält die Konnotation eines tiefgreifenden Begreifens.
dào
A. [Subst.] Das große Tao; die höchste Wahrheit
Quelle: Kernbegriff Laozis.
qín
A. [Adv.] Eifrig, unermüdlich
Quelle: Grundbedeutung. Heshanggong: „qínjié" („Mit aller Kraft sich anstrengend").
xíng
A. [Verb] Ausüben, in die Tat umsetzen
Quelle: Grundbedeutung.
zhōngshì
A. Mensch mittlerer Befähigung; Person durchschnittlicher Einsichtsfähigkeit
Quelle: Im Vergleich mit dem überlegenen und dem niederen Menschen.
ruòcúnruòwáng
A. Scheinbar glaubend, scheinbar zweifelnd; bald vorhanden, bald verschwunden
Quelle: Grundbedeutung. Halbgläubig, halbzweifelnd gegenüber dem Tao.
xiàshì
A. Mensch niederer Befähigung; stumpfe und grobe Person
Quelle: Im Vergleich mit dem überlegenen Menschen.
xiào
A. [Verb] Laut lachen; verspotten
Quelle: Grundbedeutung. Das Tao für absurd und lächerlich halten.
xiào
A. Nicht verspottet werden (von den niederen Menschen)
Quelle: Anschluss an den vorangehenden Text.
A. Nicht würdig; nicht ausreichend, um als … bezeichnet zu werden
Quelle: Feste Wendung des klassischen Chinesisch.
wèidào
A. Als das Tao gelten / das wahre Tao sein
Quelle: Grundbedeutung.
jiànyán
A. Feststehende Sprüche; alte Maximen
Quelle: Heshanggong: „jiànshèshèyányǒudào" („jiàn bedeutet ‚aufstellen'. Sprüche aufstellen, die das Tao enthalten").
B. Ausdrückliche Aussprüche / Sinnsprüche
Quelle: Erweiterte Bedeutung.
míngdàoruòmèi
A. Das helle Tao erscheint wie dunkel
Quelle: Heshanggong: „míngdàozhīrénruòànmèisuǒjiàn" („Wer das helle Tao verkörpert, erscheint dunkel und scheint nichts zu sehen").
jìndàoruò退tuì
A. Das voranschreitende Tao erscheint wie zurückweichend
Quelle: Heshanggong: „jìndàozhěruò退tuì" („Wer auf dem Tao voranschreitet, scheint zurückzubleiben").
dàoruòlèi
A. Das ebene Tao erscheint wie holprig und uneben
Quelle: Heshanggong: „píngdàozhīrénbiéshūruòduōlèi" („ bedeutet eben. Wer das große Tao verkörpert, hebt sich nicht ab, als wäre er unter gewöhnlichen Menschen"). lèi: holprig, uneben.
shàngruò
A. Die höchste Tugend erscheint wie ein leeres, aufnahmebereites Tal
Quelle: Heshanggong: „shàngzhīrénruòshēnchǐgòuzhuó" („Ein Mensch höchster Tugend ist wie ein tiefes Tal und schämt sich nicht des Schmutzes und der Unreinheit").
tàibáiruò
A. Die reinste Weiße erscheint wie befleckt
Quelle: Heshanggong: „jiébáizhīrénruòzhāngxiǎn" („Ein Mensch größter Reinheit erscheint befleckt und stellt sich nicht zur Schau").
广guǎngruò
A. Die weiteste Tugend erscheint wie unzureichend
Quelle: Heshanggong: „xíng广guǎngzhīrénruòwán" („Ein Mensch weitester Tugend erscheint töricht und unzulänglich").
jiànruòtōu
A. Die standhafteste Tugend erscheint wie nachlässig und träge
Quelle: Heshanggong: „jiànshèdàozhīrénruòtōuyǐn使shǐkōng" („Wer die Tugend errichtet, erscheint träge und leer"). tōu: nachlässig, träge.
B. Tugend zu errichten erscheint wie heimliches Tun (im Verborgenen Gutes tun ohne Prahlerei)
Quelle: Erweiterte Bedeutung.
zhìzhēnruò
A. Reinste Echtheit erscheint wie verändert / verblasst
Quelle: Heshanggong: „zhìzhīrénruòyǒuqiǎnmíng" („Ein Mensch echter Schlichtheit erscheint wie einer, dessen Farben verblasst und nicht mehr leuchtend sind"). : die Farbe wechseln, an Lebhaftigkeit verlieren.
fāng
A. Das größte Viereck hat keine Ecken
Quelle: Die größte Geradheit hat den Gegensatz von Viereck und Kreis überstiegen.
wǎnchéng
A. Das größte Gefäß braucht am längsten zur Vollendung
Quelle: Heshanggong: „zhīrénruòjiǔdǐngliǎnchéng" („Ein Mensch großer Befähigung, wie die Neun Dreifüße oder Opfergefäße, kann nicht überstürzt vollendet werden").
B. Das größte Gefäß befindet sich stets im Werden / hat keinen endgültigen Zustand der Vollendung
Quelle: Die Seidenmanuskripte von Mawangdui lesen „miǎnchéng" („Das größte Gefäß ist von der Vollendung befreit"). Umstrittene Deutung.
yīnshēng
A. Der größte Klang ist kaum hörbar / still
Quelle: Heshanggong: „yīnyóuléitíngdàishíérdòng" („Der größte Klang, wie der Donner, wartet auf seinen Augenblick"). Der höchste Klang übersteigt einzelne hörbare Klänge.
B. Die größte Musik hat die wenigsten / schlichtesten Töne
Quelle: Erweiterte Bedeutung. Die höchste Musik übersteigt einzelne Töne.
xiàngxíng
A. Das größte Bild hat keine feste Gestalt
Quelle: Heshanggong: „xiàngzhīrénzhìxíngróng" („Wer das große Bild verkörpert, ist schlicht und ohne sichtbare Gestalt").
dàoyǐnmíng
A. Das Tao ist verborgen und namenlos
Quelle: Heshanggong: „dàoqiányǐn使shǐrénnéngzhǐmíng" („Das Tao verbirgt sich, sodass die Menschen es nicht benennen können").
wéi
A. [Adv.] Nur, einzig
Quelle: Grundbedeutung.
shàn
A. [Adv.] Darin vortrefflich sein, sich auf etwas verstehen
Quelle: Wie zuvor.
dài
A. [Verb] Geben, gewähren
Quelle: Grundbedeutung. „dài" trägt den Sinn von Gabe und Gewährung.
B. [Verb] Leihen, verleihen
Quelle: Heshanggong: „yándàoshànbǐngdàirénjīng" („Das Tao ist darin vortrefflich, den Menschen Lebensessenz zu verleihen").
chéng
A. [Verb] Zur Vollendung bringen, erfüllen
Quelle: Grundbedeutung. Allen Dingen ermöglichen, ihr Potential zu verwirklichen.