Tao Te Ching Kapitel 20: Der vollständige Kommentar

Der folgende Inhalt bietet eine multiperspektivische Tiefenanalyse jedes Satzes dieses Kapitels, die traditionelle Kommentare, philologische Analysen, philosophische Interpretationen und weitere Dimensionen umfasst. Grundtext: Wang Bis Kommentar zum Daode Zhenjing, Ausgabe des Zhengtong Daozang
Die „Kombination"-Bezeichnung jeder Deutung folgt dem Format „Zeichen + Bedeutungsnummer" (z.B. „dàoC-A"), d.h. diese Deutung verwendet Bedeutung C von „dào" und Bedeutung A von „". Das vollständige Glossar finden Sie am Ende dieses Kapitels: [Anhang: Glossar der Schlüsselzeichen].

[Satz 1] juéxuéyōuwéizhīāxiāng?(Gib das Lernen auf und du wirst frei von Sorgen sein. Wie weit liegen das ehrfürchtige „Ja" und das nachlässige „Ah" auseinander?)

Kapitel 20 · Satz 1: juéxuéyōuwéizhīāxiāng

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: juéA-xuéA-wéiA-āA
Übersetzung: Gib das weltliche, oberflächliche Lernen auf und es wird keine Sorge mehr geben. Eine respektvolle Antwort und eine nachlässige Antwort — wie sehr unterscheiden sie sich wirklich?
Deutung: Die gängigste Deutung. Laozi befürwortet das Aufgeben weltlichen, oberflächlichen Lernens — solches Wissen dient nicht nur nicht dem Tao (dào), sondern vermehrt sogar die Angst. Die Analogie von „wéi" (ehrerbietiger Zustimmung) und „ā" (beiläufiger Zustimmung) veranschaulicht, dass die Etikette und Konventionen, die die Welt schätzt (der Unterschied zwischen Ehrerbietung und Respektlosigkeit), aus der Perspektive des Tao ohne wesentliche Unterscheidung sind. Wang Bi (wáng): "wèiérjìnwèixíngwéiāměièxiāngruò?" ("To advance out of fear of disgrace—how does this differ from acting out of fear of punishment? The respectful 'yes' and the dismissive 'ah,' beauty and ugliness—how far apart are they?")
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: "xuéqiúsuǒnéngérjìnzhìzhěruòjiāngérqiú。" ("Learning seeks to increase one's abilities and advance one's cleverness; but if one were desireless and already sufficient, why seek increase?")
Kapitel 20 · Satz 1: juéxuéyōuwéizhīāxiāng

[Deutung 2] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: juéA-xuéB
Übersetzung: Gib alles erworbene Wissen auf und es wird keine Angst mehr geben. Beim Antworten — wie groß ist der Abstand zwischen Ehrerbietung und Frechheit?
Deutung: Hier wird „xué" (Lernen) in seinem weiteren Sinne verstanden — nicht nur oberflächliches Lernen, sondern das gesamte System erworbenen Wissens. Dies steht im Einklang mit Kapitel 48: "wèixuéwèidàosǔn" ("In the pursuit of learning, one gains daily; in the pursuit of the Tao, one loses daily"). Je mehr Wissen man ansammelt, desto mehr Unterscheidungen entstehen und desto mehr Sorgen häufen sich. „wéi" und „ā" unterscheiden sich nur in der äußeren Haltung; im Wesentlichen sind beide nur Antworten — warum an der Unterscheidung festhalten?
Ähnliche Ansichten: Chapter 48: "wèixuéwèidàosǔn。" ("In the pursuit of learning, one gains daily; in the pursuit of the Tao, one loses daily.")
Kapitel 20 · Satz 1: juéxuéyōuwéizhīāxiāng

[Deutung 3] Neuartig · Geringe Glaubwürdigkeit

Kombination: juéB-xuéC
Übersetzung: Das höchste Lernen befreit von Sorge. Das ehrfürchtige „Ja" und das nachlässige „Ah" — wie sehr unterscheiden sie sich wirklich?
Deutung: Eine alternative Lesart und ein alternatives Verständnis: „juéxué" bedeutet nicht „das Lernen aufgeben", sondern vielmehr „das höchste Lernen" — das heißt, das Lernen des Tao. Hat man das höchste Lernen erlangt, ist man frei von Sorge. Diese Lesart harmoniert mit der Schlusszeile "rénérguìshí" ("I alone differ from others, for I treasure being nourished by the Mother")— Laozi ist dem Lernen nicht völlig abgeneigt, sondern verfolgt die höchste Stufe des Lernens (das Tao). Allerdings vertritt nur eine Minderheit der Kommentatoren diese Ansicht.
Ähnliche Ansichten: Eine Minderheit der Kommentatoren.

[Satz 2] shànzhīèxiāngruò?(Gut und Böse — wie weit liegen sie auseinander?)

Kapitel 20 · Satz 2: shànzhīèxiāngruò

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: shànA-èA
Übersetzung: Gut und Böse — wie sehr unterscheiden sie sich wirklich?
Deutung: Das Hinterfragen von „wéi" und „ā" erweiternd geht das Argument weiter — nicht nur ist der Unterschied zwischen Ehrerbietung und Respektlosigkeit vernachlässigbar, sondern selbst die Unterscheidung zwischen Gut und Böse verdient Prüfung. Dies steht im Einklang mit Kapitel 2: "tiānxiàjiēzhīměizhīwèiměiè" ("When all under heaven know beauty as beauty, ugliness is already there")— Gut und Böse sind relative Begriffe, und das Festhalten an ihrer Unterscheidung ist selbst die Wurzel der Angst.
Ähnliche Ansichten: Die Relativität von Gut und Böse in Kapitel 2.
Kapitel 20 · Satz 2: shànzhīèxiāngruò

[Deutung 2] Traditionell · Mittlere Glaubwürdigkeit

Kombination: shànA-èB
Übersetzung: Lob und Tadel — wie weit liegen sie wirklich auseinander?
Deutung: Heshang Gongs (shànggōng) eigenständige Lesart: "shànzhěchēngèzhějiànzhèng" ("The good refers to praise; the evil refers to admonishment")— schmeichelhafte Lobpreisung und unverblümter Tadel sind im Wesentlichen nicht weit voneinander entfernt. Lob nützt einer Person nicht unbedingt, und Tadel schadet nicht unbedingt. Laozi satirisiert jene seiner Zeit, die "èzhōngzhíyòngxiénìng" ("despise the loyal and upright, and employ the crooked and sycophantic")— die wahren Gesichter von Gut und Böse verkehrend.
Ähnliche Ansichten: Heshang Gong: "shíèzhōngzhíyòngxiénìng。" ("He laments the age that despises the loyal and upright and employs the crooked and sycophantic.")

[Satz 3] rénzhīsuǒwèiwèi。(Was andere fürchten, darf auch man nicht ignorieren.)

Kapitel 20 · Satz 3: rénzhīsuǒwèiwèi

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: rénA-wèiA
Übersetzung: Was die Menge fürchtet, auch ich kann nicht umhin, es in Ehrfurcht zu halten.
Deutung: Eine Übergangsaussage. Obwohl die vorhergehenden Zeilen die Unterscheidungen zwischen Ehrerbietung und Respektlosigkeit, Gut und Böse in Frage stellten, befürwortet Laozi keine völlige Missachtung gesellschaftlicher Normen. Die Dinge, die die Menge fürchtet — das Mandat des Himmels, Strafen, moralische Grundsätze — können selbst von einem, der das Tao kultiviert, nicht völlig ignoriert werden. Dies spiegelt Laozis Realismus wider: der das Tao Erlangende transzendiert das Weltliche, zieht sich aber nicht davon zurück. Wang Bi deutet: "rénzhīsuǒwèiyānwèigǎnshìzhīwèiyòng。" ("What others fear, I too stand apart from, yet I dare not presume to act on that distinction.")
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: "rénzhīsuǒwèiyānwèigǎnshìzhīwèiyòng。" ("What others fear, I too stand apart from, yet I dare not presume to act on that distinction.")
Kapitel 20 · Satz 3: rénzhīsuǒwèiwèi

[Deutung 2] Traditionell · Geringe Glaubwürdigkeit

Kombination: rénB-wèiB
Übersetzung: Was der Mensch des Tao fürchtet — ein Herrscher, der sich weigert, das [oberflächliche] Lernen aufzugeben — darf nicht unbeachtet bleiben.
Deutung: Heshang Gongs einzigartige Auffassung: "rénwèidàorénrénsuǒwèizhěwèijuéxuézhījūn。" ("'Person' here refers to the person of the Tao. What such a person fears is a ruler who will not abandon superficial learning.") Der Mensch des Tao fürchtet Herrscher, die sich weigern, oberflächliches Lernen aufzugeben und listige Künste anwenden — solche Herrscher bevorzugen Schmeichler vor den Treuen und lassen die Menschlichen und Würdigen töten. Dies ist eine politische Lesart.
Ähnliche Ansichten: Heshang Gong: "wèijìnlìngshārénxián。" ("One must not fail to fear [such rulers], who favor flattery and kill the humane and worthy.")

[Satz 4] huāngwèiyāngzāi!(Weit und grenzenlos, ohne Ende!)

Kapitel 20 · Satz 4: huāngwèiyāngzāi

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: huāngA-wèiyāngA
Übersetzung: Weit und grenzenlos — jenes Reich hat kein Ende!
Deutung: Laozi beklagt die unermessliche Distanz zwischen sich selbst und der Welt der Konventionen. Von hier an beginnt der Kern des Kapitels — ein Bericht in der ersten Person über die einsame Erfahrung eines Tao-Übenden inmitten der weltlichen Welt. Der Seufzer „huāng" leitet alle folgenden Kontraste ein. Wang Bi: "tànxiāngfǎnzhīyuǎn。" ("A sigh at how far he stands from the conventional.")
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: "tànxiāngfǎnzhīyuǎn。" ("A sigh at how far he stands from the conventional.")
Kapitel 20 · Satz 4: huāngwèiyāngzāi

[Deutung 2] Traditionell · Mittlere Glaubwürdigkeit

Kombination: huāngB-wèiyāngA
Übersetzung: Wie öde — es ist kein Ende in Sicht!
Deutung: Heshang Gong gibt eine andere Nuance: "shìrénhuāngluànjìnxuéwèiwénwèiyāngzhǐ。" ("The people of the mundane world are in disarray, eager to advance in learning and literary culture, without cease.") Die weltliche Welt vernachlässigt den wahren Weg und jagt dem oberflächlichen Lernen nach — dieses Chaos ist endlos. Diese Lesart verschiebt das Subjekt von „huāng" vom Übenden des Tao zur weltlichen Welt — es ist die Trostlosigkeit der Welt, nicht die Weite des Übenden.
Ähnliche Ansichten: Heshang Gong: "shìrénhuāngluànjìnxuéwèiwénwèiyāngzhǐ。" ("The people of the mundane world are in disarray, eager to advance in learning and literary culture, without cease.")

[Satz 5] zhòngrénxiǎngtàiláochūndēngtái。(Die Menge ist fröhlich, als genösse sie ein großes Opferfest, als bestiege sie eine Terrasse im Frühling.)

Kapitel 20 · Satz 5: zhòngrénxiǎngtàiláochūndēngtái

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: A-tàiláoA-chūndēngtáiA
Übersetzung: Die Menge ist fröhlich und ausgelassen, als genösse sie ein großes Opferfest, als bestiege sie eine Terrasse an einem Frühlingstag, um die Landschaft zu bewundern.
Deutung: Eine Darstellung weltlicher Menschen, die in sinnliche Genüsse vertieft sind. „tàiláo" (das Große Opfer) bezeichnet die höchste Stufe des zeremoniellen Festmahls und deutet auf den höchsten Genuss des Appetits hin; „chūndēngtái" (im Frühling eine Terrasse besteigen) deutet auf den höchsten visuellen Genuss hin. Diese beiden Metaphern stehen für Begierde bzw. Schönheit — gewöhnliche Menschen jagen ihnen mit grenzenloser Begeisterung nach, ohne sich je umzuwenden.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: "zhòngrénměijìnhuòróngjìnxīnjìngxiǎngtàiláo。" ("The multitude are beguiled by the pursuit of beauty and confused by glory and profit, their hearts racing with desire—thus they are merry as at a grand sacrifice.")

[Satz 6] wèizhàoyīngérzhīwèiháiléiléiruòsuǒguī。(Ich allein bin ruhig und zeige kein Zeichen; wie ein Säugling, der noch nicht gelächelt hat; müde und treibend, als hätte ich keinen Ort der Rückkehr.)

Kapitel 20 · Satz 6: wèizhàoyīngérzhīwèiháiléiléiruòsuǒguī

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: A-wèizhàoA-háiA-léiléiA
Übersetzung: Ich allein bin ruhig und gelassen, mein Herz zeigt nicht die geringste Regung; wie ein Säugling, der noch nicht gelernt hat zu lächeln; müde und einsam, als hätte ich keinen Ort der Rückkehr.
Deutung: Ein lebhafter Kontrast zur „fröhlichen" Menge. „" bedeutet hier nicht „Angst", sondern vielmehr „ruhig und gelassen"; „wèizhào" bedeutet, dass das Herz keine Wünsche oder Gedanken hat — nicht einmal einen Keim; „yīngérzhīwèihái" — eine Rückkehr zum Urzustand eines Säuglings, der noch nicht gelernt hat, auf die Außenwelt zu reagieren. „léiléiruòsuǒguī" fängt die volle Einsamkeit des Erwachten in der weltlichen Welt ein — eine geistige Welt, die mit den Konventionen völlig unvereinbar ist, als gäbe es keinen Ort zum Verweilen. Wang Bi: "kuòránxíngzhīmíngzhàozhī。" ("I am vast and empty; there is no form that can be named, no sign that can be pointed to.")
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: "yánkuòránxíngzhīmíngzhàozhīyīngérzhīwèinénghái。" ("He says: I am vast and empty; there is no form that can be named, no sign that can be pointed to—like an infant who has not yet learned to smile.")
Kapitel 20 · Satz 6: wèizhàoyīngérzhīwèiháiléiléiruòsuǒguī

[Deutung 2] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: B-wèizhàoB-háiB
Übersetzung: Ich allein bin still und ruhig, zeige kein Zeichen emotionaler Regung; wie ein Säugling, der noch nicht gelernt hat, auf die Welt zu reagieren; müde, als hätte ich keinen Ort der Zugehörigkeit.
Deutung: Heshang Gongs Lesart aus der Perspektive der Selbstkultivierung: "ránānjìngwèiyǒuqíngzhīxíngzhàoxiǎoérwèinéngǒurénshí。" ("I alone am tranquilly still, without any visible sign of desire. Like an infant who has not yet learned to respond to another.") Der Übende hat jeden Keim der Begierde beseitigt und ist zu einem säuglingsartigen Zustand des reinen Nicht-Handelns (wèi) zurückgekehrt. „suǒguī" ist keine passive Heimatlosigkeit, sondern ein Porträt des Übenden, der jeder weltlichen Macht die Gefolgschaft verweigert und seine Unabhängigkeit wahrt.
Ähnliche Ansichten: Heshang Gong: "ránānjìngwèiyǒuqíngzhīxíngzhào。" ("I alone am tranquilly still, without any visible sign of desire.")

[Satz 7] zhòngrénjiēyǒuérruò。(Die Menge hat alles im Überfluss; ich allein scheine alles verloren zu haben.)

Kapitel 20 · Satz 7: zhòngrénjiēyǒuérruò

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: yǒuA-A
Übersetzung: Die Menge fühlt sich im Überfluss, doch ich allein scheine alles verloren zu haben.
Deutung: Alle anderen hegen Ambitionen und Bestrebungen und fühlen sich überquellend vor Talent und Besitz. Laozi hingegen fühlt sich, als hätte er alles verloren — er klammert sich an nichts und besitzt nichts. Wang Bi: "zhòngrényǒu怀huáiyǒuzhìyíngxiōngxīnyuējiēyǒukuòránwèiruòshīzhī。" ("Everyone possesses aspirations and ambitions, their hearts overflowing; thus it is said they all have more than enough. I alone am vast and empty, without action or desire, as though I have lost it all.")
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: "kuòránwèiruòshīzhī。" ("I alone am vast and empty, without action or desire, as though I have lost it all.")
Kapitel 20 · Satz 7: zhòngrénjiēyǒuérruò

[Deutung 2] Traditionell · Mittlere Glaubwürdigkeit

Kombination: yǒuB-B
Übersetzung: Die Menge hat überschüssigen Reichtum und überschüssige Klugheit (überschüssiger Reichtum führt zu Verschwendung, überschüssige Klugheit zu List); ich allein scheine an allem zu mangeln.
Deutung: Heshang Gongs kritische Lesart: der „Überschuss" der Menge ist kein wahrer Reichtum, sondern ein Übermaß an Verschwendung und Betrug. Der „scheinbare Verlust" des Übenden ist kein wahrer Mangel, sondern eine Weigerung, materiellen Reichtum oder Klugheit zur Schau zu stellen. Die äußeren Erscheinungen sind genau umgekehrt: der „Überschuss" der Menge verbirgt geistige Armut, während der „Mangel" des Übenden moralische Fülle verbirgt.
Ähnliche Ansichten: Heshang Gong: "zhòngréncáiwèishēzhìwèizhà。" ("The multitude use surplus wealth for extravagance and surplus cleverness for deceit.")

[Satz 8] rénzhīxīnzāidùndùn。(Ich habe das Herz eines Toren! Wirr und verwirrt.)

Kapitel 20 · Satz 8: rénzhīxīnzāidùndùn

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: rénA-dùndùnA
Übersetzung: Ich habe wahrhaftig das Herz eines Toren! Ganz trüb und wirr.
Deutung: Die bewegendste Selbstenthüllung des gesamten Kapitels. In einem selbstironischen Ton drückt Laozi eine tiefe Wahrheit aus: in den Augen der Welt ist jemand, der sich weigert, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, und nicht Ruhm oder Profit nachjagt, einfach „töricht". Aber es ist genau diese „Torheit", die sich dem wesentlichen Wesen des Tao (dào) annähert. „dùndùn" — chaotisch und undifferenziert — ist der Urzustand des Tao. Kapitel 45 sagt „zhìruò" („Große Weisheit erscheint töricht"); hier sehen wir ein Selbstporträt dieser „großen Weisheit".
Ähnliche Ansichten: Chapter 45: "zhíruòqiǎoruòzhuōbiànruò。" ("Great straightness seems bent; great skill seems clumsy; great eloquence seems tongue-tied.")
Kapitel 20 · Satz 8: rénzhīxīnzāidùndùn

[Deutung 2] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: rénB-dùndùnA
Übersetzung: Ich besitze das Herz eines Menschen von völliger Schlichtheit! Undifferenziert und ganz.
Deutung: Wang Bis Deutung: "juézhīrénxīnsuǒbiésuǒměièyóuránqíngtuíránruò。" ("A person of absolute simplicity, whose heart makes no distinctions, whose mind harbors no preferences for beauty or ugliness, whose emotions cannot be discerned—I am listlessly like this.") Der „Tor" hier bezeichnet nicht geringe Intelligenz, sondern vielmehr jemanden, der die Dualität von „klug" und „dumm" transzendiert hat und zur ursprünglichen Schlichtheit zurückgekehrt ist.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: "juézhīrénxīnsuǒbiésuǒměiè。" ("A person of absolute simplicity, whose heart makes no distinctions, whose mind harbors no preferences for beauty or ugliness.")

[Satz 9] rénzhāozhāoruòhūnréncháchámènmèn。(Die Weltlichen sind hell und scharf; ich allein scheine dunkel. Die Weltlichen sind scharfsinnig und genau; ich allein bin stumpf und schwerfällig.)

Kapitel 20 · Satz 9: rénzhāozhāoruòhūnréncháchámènmèn

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: zhāozhāoB-hūnA-chácháA-mènmènA
Übersetzung: Die Weltlichen sind leuchtend und strahlend; ich allein scheine dunkel und trüb. Die Weltlichen sind scharfsinnig und genau; ich allein bin stumpf und schlicht.
Deutung: Zwei lebhafte Kontraste. „zhāozhāo" vs. „hūn", „cháchá" vs. „mènmèn": die Welt strebt nach äußerem Glanz, während der Übende des Tao innerlich dunkel bleibt; die Welt ist stolz auf scharfe Analyse, während der Übende sich weigert, die Dinge zu sezieren. Dies ist tatsächlich ein Porträt von „guāngtóngchén" (sein Licht mit dem Staub mischen) — Kapitel 4 sagt „cuòruìjiěfēnguāngtóngchén" („Stumpfe seine Schärfe, entwirre seine Knoten, mildere seinen Glanz, vereinige dich mit dem Staub"); hier erhält dieses Prinzip menschliche Gestalt.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: "耀yàoguāng" ("They flaunt their light"), "fēnbiébié" ("They divide and dissect"). Chapter 4: "guāngtóngchén" ("Blending light with dust").
Kapitel 20 · Satz 9: rénzhāozhāoruòhūnréncháchámènmèn

[Deutung 2] Traditionell · Mittlere Glaubwürdigkeit

Kombination: zhāozhāoA-chácháB-mènmènB
Übersetzung: Die Weltlichen sind klar und verständig; ich allein scheine umnachtet. Die Weltlichen sind eifrig und getrieben; ich allein bin nebelhaft und vage.
Deutung: Heshang Gongs Lesart aus dem Blickwinkel der Kultivierung: weltliche Menschen bemühen sich eifrig, alle Angelegenheiten und Prinzipien zu verstehen, während der Übende des Tao sich damit begnügt, im Dunkel zu verweilen. Die Weltlichen sind eifrig darauf bedacht, voranzukommen und sich zu zeigen, während der Übende still bleibt. Der Ausdruck „suǒjié" („kein Schneiden oder Durchtrennen") in der Beschreibung von „mènmèn" deutet darauf hin, dass der Übende die Welt nicht mit Wissen zerteilt oder alle Dinge mit Begriffen analysiert, sondern eine ganzheitliche Wahrnehmung des Tao bewahrt.
Ähnliche Ansichten: Heshang Gong: "chácháqiěmènmènsuǒjié。" ("cháchá means eager and hasty; mènmèn means without cutting or severing.")

[Satz 10] dànruòhǎiliùruòzhǐ。(Ruhig wie das Meer, treibend wie der unaufhörliche Wind.)

Kapitel 20 · Satz 10: dànruòhǎiliùruòzhǐ

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: dànA-hǎiA-liùA-zhǐA
Übersetzung: Heiter und tiefgründig, wie das große Meer; fließend und frei, wie der unaufhörliche Wind.
Deutung: Nach den vorhergehenden Kontrasten wendet sich der Text einer positiven Darstellung der inneren Landschaft des Übenden zu, unter Verwendung zweier Bilder — Meer und Wind: das „Meer" ist tief, weit und unergründlich, entsprechend „qíng" („Emotionen, die nicht wahrgenommen werden können"); der „Wind" ist frei und ungebunden, entsprechend „suǒzhí" („durch nichts gebunden"). Die innere Welt des Übenden ist zugleich so tief wie das Meer und so frei wie der Wind.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: "qíng" ("Emotions that cannot be discerned"), "suǒzhí" ("Bound by nothing").
Kapitel 20 · Satz 10: dànruòhǎiliùruòzhǐ

[Deutung 2] Traditionell · Mittlere Glaubwürdigkeit

Kombination: dànB-liùA-zhǐB
Übersetzung: Grenzenlos wie Meerwasser, das ohne Grenze wogt; treibend und schwebend, ohne Ort der Ruhe.
Deutung: Heshang Gongs Lesart trägt einen stärkeren Sinn von Einsamkeit: "jiānghǎizhīliúzhīsuǒqióngpiāopiāoruòfēiruòyángsuǒzhǐ。" ("I alone am in a trance, flowing like rivers and seas—none can know where they end. Drifting as though flying and soaring, with no place to stop.") Das geistige Reich des Übenden ist wie das Meer und der Wind — jenseits des Verständnisses oder der Reichweite weltlicher Menschen. „zhǐ" impliziert, dass der Geist des Übenden im Unendlichen umherstreift: "zhìzàishén" ("Their aspiration dwells in the realm of the spirit.")
Ähnliche Ansichten: Heshang Gong: "jiānghǎizhīliú……zhìzàishén。" ("I alone am in a trance, flowing like rivers and seas… my aspiration dwells in the realm of the spirit.")

[Satz 11] zhòngrénjiēyǒuérwánshì。(Die Menge hat ihre Ziele; ich allein bin stur und ungehobelt.)

Kapitel 20 · Satz 11: zhòngrénjiēyǒuérwánshì

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: yǒuA-wánA-A
Übersetzung: Die Menge hat Talente und Fähigkeiten; ich allein bin stur und ungehobelt.
Deutung: Alle anderen haben irgendeine Fähigkeit, auf die sie stolz sind, etwas, das sie einsetzen wollen; nur „ich" erscheine plump und grobschlächtig, ohne ein einziges Talent vorzuweisen. Wang Bi: "suǒwèimènmènhūnhūnruòsuǒshíyuēwánqiě。" ("Without desire to do anything, dull and dim, as though without knowledge—hence he says he is obstinate and uncouth.") Dies ist ein weiterer Ausdruck von „große Geschicklichkeit erscheint ungeschickt" (qiǎoruòzhuō): der wahrhaft Fähige verbirgt seine Schärfe und erscheint in den Augen der Welt wie ein Nichtsnutz.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: "suǒwèimènmènhūnhūnruòsuǒshíyuēwánqiě。" ("Without desire to do anything, dull and dim, as though without knowledge—hence he says he is obstinate and uncouth.")
Kapitel 20 · Satz 11: zhòngrénjiēyǒuérwánshì

[Deutung 2] Neuartig · Mittlere Glaubwürdigkeit

Kombination: yǒuB-wánB-B
Übersetzung: Die Menge strebt danach, etwas zu erreichen, jeder zeigt seine Fähigkeit; ich allein bin schlicht und einfach, wie ein ländlicher Dorfbewohner.
Deutung:wán" und „" in ihrem ursprünglichen, ungeschmückten Sinn genommen: „ich" strebe weder Schmuck noch Zurschaustellung an, sondern bleibe wie ein ungehauener Stein oder ein Mensch aus einem abgelegenen Dorf — rau und unpoliert. Dies ist tatsächlich der Zustand, der dem wesentlichen Wesen des Tao am nächsten kommt. Kapitel 15 beschreibt die alten Meister als „dūnruò" („Aufrichtig, wie der unbehauene Block"); dasselbe Prinzip gilt hier.
Ähnliche Ansichten: Chapter 15: "dūnruò。" ("Earnest, like the uncarved block.")

[Satz 12] rénérguìshí。(Ich allein unterscheide mich von anderen, denn ich schätze es, von der Mutter genährt zu werden.)

Kapitel 20 · Satz 12: rénérguìshí

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: shíA-A
Übersetzung: Ich allein unterscheide mich von anderen, denn ich schätze es, vom Tao (dào) genährt zu werden — der Mutter aller Dinge.
Deutung: Die krönende Offenbarung des gesamten Kapitels — die Antwort auf alles Vorhergehende. Jede Instanz von Einsamkeit, Torheit, Dunkelheit, Sturheit und Grobheit im Vorhergehenden war nicht ohne Grund: der Grund ist „shí" — das Tao als geistige Nahrung zu nehmen. Während die Welt sich von sinnlichem Vergnügen, Ruhm und Profit nährt, nähre „ich" mich allein vom Tao. „Mutter" ist ein anderer Name für das Tao (Kapitel 1: „yǒumíngwànzhī" — „Benannt, ist es die Mutter aller Dinge"); „shí" bedeutet, Nahrung aus der eigentlichen Quelle zu schöpfen, anstatt dem Abgeleiteten nachzujagen. Dies ist die thematische Offenbarung des Kapitels.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: "rénzhějiēshēngmínzhīběnguìshìzhīhuáyuērén。" ("People all abandon the root that sustains life and prize the flowery ornaments of the branches; hence he says he alone wishes to differ from others.")
Kapitel 20 · Satz 12: rénérguìshí

[Deutung 2] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: shíB-A
Übersetzung: Ich allein unterscheide mich von anderen; was ich schätze, ist das Anwenden des Tao.
Deutung: Heshang Gong: "shíyòngdàoguìyòngdào。" ("shí means 'to employ'; means 'the Tao.' I alone treasure employing the Tao.") Diese Lesart deutet „shí" als „das Anwenden des Tao schätzen": was ich wertschätze, ist nicht weltliches Talent oder Reichtum, sondern das Leben nach dem Tao. Das Tao anstatt Klugheit anwenden, die Wurzel hüten anstatt den Zweigen nachzujagen — dies ist der grundlegende Unterschied zwischen dem Übenden des Tao und der Welt.
Ähnliche Ansichten: Heshang Gong: "shíyòngdàoguìyòngdào。" ("shí means 'to employ'; means 'the Tao.' I alone treasure employing the Tao.")
Kapitel 20 · Satz 12: rénérguìshí

[Deutung 3] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: shíA-B
Übersetzung: Ich allein unterscheide mich von anderen; was ich schätze, ist es, Nahrung aus der Wurzel des Lebens zu schöpfen.
Deutung: Wang Bi deutet „shí" als „shēngzhīběn" („die Wurzel des Lebens") — nicht das abstrakte „Tao", sondern konkreter „die Wurzel des Lebens". Die Welt gibt die Wurzel auf und jagt den Zweigen nach, die Zierkultur schätzend; der Übende kehrt zur Wurzel und zum Echten zurück, das Fundament des Lebens schätzend. Jede Selbstabwertung im Kapitel — töricht, dunkel, stumpf — ist tatsächlich eine Manifestation des Aufgebens der Zweige und der Rückkehr zur Wurzel: was die Welt als äußere Minderung sieht, weiß der Übende als innere Fülle.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: "shíshēngzhīběn。" ("'Nourished by the Mother' means the root of life.")

Zusammenfassung des Kapitels

Dieses Kapitel enthält 25 Deutungskombinationen.

[Kerndifferenzen]

Kapitel 20 ist die lyrischste und persönlichste Passage im Tao Te Ching, von Kommentatoren durch die Zeitalter als Laozis „Selbstporträt" betrachtet. Vollständig in der ersten Person geschrieben, hat das Kapitel eine klare Struktur: (1) Die Eröffnung formuliert das Thema — „juéxuéyōu" („Gib das Lernen auf und sei frei von Sorge") — und stellt die These auf, dass man weltliches Lernen aufgeben solle, dann wird die Analogie von „wéi" und „ā" sowie von Gut und Böse verwendet, um die Absolutheit von Werturteilen aufzulösen; (2) der mittlere Abschnitt präsentiert sechs Kontraste (fröhlich/ruhig, beim Großen Opfer schwelgend/kein Zeichen zeigend, Überschuss habend/scheinbar alles verloren, hell/dunkel, scharfsinnig/stumpf, mit Absicht/stur und ungehobelt), um die gewaltige Kluft zwischen dem Übenden und der weltlichen Welt darzustellen; (3) die Schlusszeile „guìshí" („das Genährtwerden von der Mutter schätzen") enthüllt das Leitthema — der grundlegende Grund für alle „Einsamkeit" und „Verschiedenheit" des Übenden ist, dass der Übende das Tao als geistige Nahrung gewählt hat. Literarisch steht dieses Kapitel als Meisterwerk der antiken chinesischen philosophischen Prosa: emotional aufrichtig, ohne ins Sentimentale abzugleiten; kritisch scharf und doch mit selbstironischem Humor durchsetzt; lebendig in den Kontrasten und reich an Bildern (Meer, Wind, Säugling). Philosophisch entwickelt das Kapitel das „Relativitäts"-Argument von Kapitel 2 (die Relativität von Gut und Böse, Schönheit und Hässlichkeit) auf die Ebene existenzieller Erfahrung weiter — nicht mehr abstraktes Argument, sondern die gelebten Gefühle eines Übenden in der weltlichen Welt. Wang Bi betont den Aspekt der „natürlichen Selbstgenügsamkeit" — das Streben der Weltlichen nach Schmuck ist ein Zeichen der Unzulänglichkeit, während die „Torheit" und „Dunkelheit" des Übenden tatsächlich der Zustand natürlicher Vollständigkeit sind. Heshang Gong deutet aus dem praktischen Blickwinkel der Selbstkultivierung und Regierungsführung — Begierde beseitigen, Einheit ohne Abweichung bewahren, Körper und Staat durch Nicht-Handeln (wèi) regieren.

Anhang: Glossar der Schlüsselzeichen

jué
A. [Verb] Durchtrennen, aufgeben
Quelle: Grundbedeutung. Vollständig aufgeben.
B. [Adj.] Höchst, das Höchste
Quelle: Erweiterte Bedeutung. juéxué als „das höchste Lernen".
xué
A. [Subst.] Weltliches Lernen; oberflächliches, unpraktisches Wissen
Quelle: Heshang Gong: "juéxuézhēndàowén。" ("Abandon learning that is untrue and does not accord with the Tao.") Bezeichnet oberflächliches, hohles Lernen.
B. [Subst.] Lernen; alles nach der Geburt erworbene Wissen
Quelle: Allgemeine Bedeutung. Chapter 48: "wèixuéwèidàosǔn。" ("In the pursuit of learning, one gains daily; in the pursuit of the Tao, one loses daily.")
C. [Subst.] Das höchste Lernen (d.h. das Lernen des Tao)
Quelle: Gepaart mit jué(B). juéxué = höchstes Lernen.
yōu
A. Ohne Sorge; frei von Ängsten
Quelle: Grundbedeutung.
wéi
A. [interj.] Eine respektvolle Antwort
Quelle: Liji (Book of Rites): "zhàonuòxiānshēngzhàonuòwéiér。" ("When a father calls, one does not say 'yes' casually; when a teacher calls, one does not say 'yes' casually—one replies with 'wéi' and rises.") Eine ehrerbietige Antwort.
ā
A. [interj.] Eine nachlässige, beiläufige Antwort
Quelle: Eine träge Antwort. Im Kontrast zu „wéi" — eines ehrerbietig, eines beiläufig.
xiāng
A. Wie sehr unterscheiden sie sich?
Quelle: Grundbedeutung. Die Differenz zwischen beiden in Frage stellend.
shàn
A. [Subst.] Gute Taten; das Gute (einschließlich Lob und Anerkennung)
Quelle: Grundbedeutung. Heshang Gong: "shànzhěchēng。" ("The good refers to praise.")
è
A. [Subst.] Böse Taten; das Böse
Quelle: Grundbedeutung, ausgesprochen è. Das Gegenteil von shàn.
B. [Subst.] Ermahnung; unverblümter, treuer Rat (als „böse" wahrgenommen, weil unangenehm)
Quelle: Heshang Gong: "èzhějiànzhèng。" ("The evil refers to admonishment.") Gerader Rat, obwohl treu, kratzt am Ohr.
rén
A. [Subst.] Die Menge; einfache Menschen
Quelle: Grundbedeutung.
B. [Subst.] Der Mensch des Tao; der Übende
Quelle: Heshang Gong: "rénwèidàorén。" ("'Person' here refers to the person of the Tao.")
wèi
A. [Verb] Fürchten; in Ehrfurcht halten
Quelle: Grundbedeutung.
wèi
A. (Auch ich) kann nicht umhin, in Ehrfurcht zu halten
Quelle: Konzessiv. Obwohl man die Unterscheidung von Gut und Böse transzendiert, gibt es Dinge, die man noch respektieren muss.
B. Darf nicht versäumen zu ehren (Autorität, gesellschaftliche Normen)
Quelle: Passiver Sinn. Obwohl man weiß, dass Gut und Böse relativ sind, kann man sich im Zusammenleben mit Menschen nicht völlig lösen.
huāng
A. [Adj.] Weit, grenzenlos
Quelle: Grundbedeutung. Große Weite und Offenheit beschreibend.
B. [Adj.] Öde, karg
Quelle: Alternative Bedeutung. Trägt einen Ton von Einsamkeit und Trostlosigkeit.
wèiyāng
A. Endlos; ohne Grenze
Quelle: Grundbedeutung. yāng bedeutet „enden".
A. [Adj.] Fröhlich und ausgelassen; lebhaft geschäftig
Quelle: Grundbedeutung. Eine lebhafte, freudige Szene beschreibend.
tàiláo
A. [Subst.] Das Große Opfer; die höchste Stufe des antiken Opferfestes, mit Ochse, Schaf und Schwein
Quelle: Liji (Book of Rites): "tiānzishèjiētàiláo。" ("The Son of Heaven's sacrifices to the altars of soil and grain all employ the Grand Sacrifice.")
chūndēngtái
A. Im Frühling eine Terrasse besteigen (um die Landschaft zu genießen)
Quelle: Die freudige Szene des Besteigens einer Anhöhe an einem Frühlingstag.
A. [Adj.] Ruhig und gelassen; heiter und ohne Begierde
Quelle: Archaische Bedeutung. ist im alten Gebrauch austauschbar mit , was „ruhig" bedeutet. Nicht im modernen Sinne von „Angst".
B. [Adj.] Still; unbewegt
Quelle: Heshang Gong: "ránānjìng。" ("Tranquilly at peace.")
wèizhào
A. Ohne jedes Zeichen oder Anzeichen
Quelle: Bezeichnet ein Herz ohne jede nachweisbare Begierde oder Emotion.
B. Noch nicht in Bewegung; wie ganz am Anfang, bevor etwas begonnen hat
Quelle: Eine Metapher für die Rückkehr zum Urzustand des Chaos.
yīngér
A. [Subst.] Ein Säugling; ein Neugeborenes
Quelle: Laozi verwendet häufig den Säugling als Metapher für die Rückkehr zur Schlichtheit und Wahrheit.
hái
A. [Verb] Lächeln; das erste Lächeln eines Säuglings
Quelle: Archaische Bedeutung. hái bedeutete ursprünglich, dass ein Säugling den Mund öffnet, als wollte er lächeln. Heshang Gong: "xiǎoérwèinéngǒurénshí。" ("Like an infant who has not yet learned to respond to another.")
B. [Verb] Einen Laut von sich geben; beginnen zu reagieren
Quelle: Bezeichnet einen Säugling, der beginnt, auf die Außenwelt zu reagieren.
léiléi
A. [Adj.] Müde und teilnahmslos im Erscheinungsbild
Quelle: Grundbedeutung. Einen Geist beschreibend, der niedergeschlagen, einsam und haltlos ist. Heshang Gongs Text lautet "chéngchéng."
suǒguī
A. Nirgendwohin zurückkehren können; ohne Heimat
Quelle: Grundbedeutung. Wang Bi: "ruòsuǒzhái。" ("As though with no dwelling.")
yǒu
A. Überschuss haben; mehr als genug
Quelle: Grundbedeutung. Die Menge fühlt sich im Besitz von Überfluss.
B. Überschuss an Reichtum und Klugheit (abwertend: überschüssiger Reichtum führt zu Verschwendung, überschüssige Klugheit zu List)
Quelle: Heshang Gong: "zhòngréncáiwèishēzhìwèizhà。" ("The multitude use surplus wealth for extravagance and surplus cleverness for deceit.")
A. [Verb] Verlieren; wegwerfen (passiv: als wäre man vergessen)
Quelle: Grundbedeutung. Wang Bi: "ruòshīzhī。" ("As though having lost it.")
B. [Adj.] Mangelhaft; unzureichend
Quelle: Erweiterte Bedeutung. Heshang Gong: "shì。" ("As though discarded; seeming to be insufficient.")
rén
A. Ein Tor (Selbstironie oder Ironie)
Quelle: Töricht in den Augen der Welt, aber in Wahrheit „große Weisheit erscheint töricht" verkörpernd.
B. Ein Mensch von äußerster Schlichtheit und Unschuld
Quelle: Wang Bi: "juézhīrénxīnsuǒbiésuǒměiè。" ("A person of absolute simplicity, whose heart makes no distinctions, whose mind harbors no preferences for beauty or ugliness.")
dùndùn
A. [Adj.] Chaotisch, undifferenziert; ursprünglich ganz
Quelle: Grundbedeutung. Einen ungeteilten, undeutlichen Zustand beschreibend. Wang Bi: "suǒbiéwèimíng。" ("Without distinctions, it cannot be named.")
zhāozhāo
A. [Adj.] Hell, klar und verständig
Quelle: Heshang Gong: "míngqiě。" ("Bright and comprehending.")
B. [Adj.] Seinen Glanz zur Schau stellen
Quelle: Wang Bi: "耀yàoguāng。" ("They flaunt their light.") Trägt eine abwertende Nuance des Angebens.
hūn
A. [Adj.] Dunkel, trüb; scheinbar verwirrt
Quelle: Grundbedeutung. An der Oberfläche dunkel und verständnislos erscheinend.
cháchá
A. [Adj.] Scharfsinnig und anspruchsvoll; klug und kritisch
Quelle: Grundbedeutung. Wang Bi: "fēnbiébié。" ("They divide and dissect.")
B. [Adj.] Eifrig, hastig; darauf bedacht, sich zu zeigen
Quelle: Heshang Gong: "qiě。" ("Eager and hasty.")
mènmèn
A. [Adj.] Stumpf; derb und schlicht
Quelle: Heshang Gong: "suǒjié。" ("Without cutting or severing.") Bedeutet, dass man keine feinen Unterscheidungen trifft.
B. [Adj.] Nebelhaft und unklar
Quelle: Oberflächliche Bedeutung. Nach außen verwirrt erscheinend.
dàn
A. [Adj.] Heiter und ruhig; gelassen tiefgründig
Quelle: Grundbedeutung. Wang Bi: "qíng。" ("Emotions that cannot be discerned.")
B. [Adj.] Wellen, die auf dem Wasser kräuseln
Quelle: Wörtliche Bedeutung. Heshang Gongs Text lautet "."
hǎi
A. [Subst.] Das Meer
Quelle: Grundbedeutung. Eine Metapher für Tiefe und Weite.
liù
A. [Adj.] Unaufhörlich wehender Wind; frei und fließend
Quelle: Grundbedeutung. Heshang Gongs Text lautet "piāo."
zhǐ
A. Ohne Unterlass; nie anhaltend
Quelle: Grundbedeutung. Wang Bi: "suǒzhí。" ("Bound by nothing.")
B. Ohne festen Wohnsitz; an keinen Ort gebunden
Quelle: Erweiterte Bedeutung. Der Geist ist frei von jeder Last.
yǒu
A. Fähigkeiten haben, etwas einsetzen können
Quelle: Wang Bi: "yòngjiēyǒusuǒshīyòng。" (" means 'to employ.' Everyone wishes to put their abilities to use.")
B. Etwas erreicht haben; tätig sein
Quelle: Heshang Gong: "yǒuwèi。" (" means 'to act purposefully.'")
wán
A. [Adj.] Stur; dumm und unflexibel
Quelle: Grundbedeutung. Für Außenstehende als teilnahmslos erscheinend.
B. [Adj.] Schlicht und ungeschmückt
Quelle: Laozis Selbstcharakterisierung. Die Qualität eines unbehauenen Steins.
A. [Adj.] Ungehobelt; grob und gewöhnlich
Quelle: Grundbedeutung. Heshang Gong: "shìruòdǎi。" (", as though falling short.")
B. [Adj.] Von einem abgelegenen, ländlichen Ort (Metapher für Schlichtheit)
Quelle: Die ursprüngliche Bedeutung von ist „eine abgelegene Gegend". rén = ein ländlicher Dorfbewohner.
A. [Verb/Adj.] Sich unterscheiden von; eigenartig
Quelle: Grundbedeutung.
guì
A. [Verb] Schätzen; wertschätzen
Quelle: Grundbedeutung. Als kostbar betrachten.
shí
A. [Verb] Sich nähren von; Nahrung schöpfen aus
Quelle: Grundbedeutung. Die Lebensnahrung aus dem Tao schöpfen.
B. [Verb] Anwenden; benutzen
Quelle: Heshang Gong: "shíyòng。" ("shí means 'to employ.'")
A. [Subst.] Das Tao (dào); die Mutter aller Dinge
Quelle: Kernbedeutung. Chapter 1: "yǒumíngwànzhī。" ("Named, it is the mother of all things.") Chapter 25: "wèitiānxià。" ("It may be regarded as the mother of all under heaven.")
B. [Subst.] Die Wurzel des Lebens; der Ursprung
Quelle: Wang Bi: "shíshēngzhīběn。" ("'Nourished by the Mother' means the root of life.")