Übersetzung: Die Form und Erscheinung der großen Tugend (德) folgt vollständig den Prinzipien des Tao (道).
Deutung: Heshang Gong glossiert „孔" als „groß". Die Erscheinung der erhabensten Tugend folgt gänzlich dem Tao — es handelt sich nicht um eine künstlich geformte Tugend, sondern um eine, die sich natürlich dem Wirken des Tao anpasst. Diese Deutung versteht „德" als erhabenen sittlichen Charakter und „容" als dessen äußere Erscheinung.
Ähnliche Ansichten: Heshang Gong: „孔,大也。有大德之人,无所不容,能受垢浊,处谦卑也。唯,独也。大德之人,不随世俗所行,独从于道也" — „孔 bedeutet ‚groß'. Ein Mensch von großer Tugend (德) umfasst alle Dinge, nimmt Unreinheit an und verweilt in Demut. 唯 bedeutet ‚allein'. Ein Mensch von großer Tugend folgt nicht den Wegen der Welt, sondern folgt allein dem Tao (道)."
Übersetzung: Die Wirkungsweise der leeren Tugend (德) besteht schlicht darin, dem Tao (道) zu folgen.
Deutung: Wang Bi glossiert „孔" als „leer". Wahre Tugend ist nicht überfließend, sondern leer — gerade weil der Geist leer und frei von Anhaftung ist, kann er alle Dinge aufnehmen und der Führung des Tao folgen. „惟以空为德,然后乃能动作从道" („Erst wenn man die Leere zur Tugend macht, kann man im Einklang mit dem Tao handeln"). Diese Deutung ist bemerkenswert subtil: Es geht nicht um die „große Tugend", sondern um die „leere Tugend" — die Leere selbst ist die größte Tugend.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „孔,空也,惟以空为德,然后乃能动作从道" — „孔 bedeutet ‚leer'. Erst wenn man die Leere zur Tugend (德) macht, kann man im Einklang mit dem Tao (道) handeln und sich bewegen."
Übersetzung: Die allumfassende Kraft der größten Tugend (德) stammt einzig vom Tao (道).
Deutung: Hier wird „德" als verwandt mit „得" (das vom Tao Empfangene) gelesen, „容" nimmt die Bedeutung von „umfassen/enthalten" an und „从" die von „herrühren von". Der Grund, warum die große Tugend alles ohne Ausnahme umfassen kann, liegt darin, dass sie ihren Ursprung im Tao hat. Diese Deutung betont die genetische Beziehung zwischen Tugend und Tao — die Tugend existiert nicht unabhängig; sie ist ein Zufluss des Tao.
Ähnliche Ansichten: Dies korrespondiert mit Kapitel 51: „道生之,德畜之" („Das Tao gibt ihnen Leben; die Tugend nährt sie").
Übersetzung: Das Tao (道) als Seinsweise lässt sich nur als schattenhaft und unfassbar beschreiben — als ob es zugleich existiere und nicht existiere, verschwommen und undeutlich.
Deutung: Die geläufigste Deutung. Das Tao ist kein konkretes, wahrnehmbares Objekt; es befindet sich in einem Zustand des Zwielichts zwischen „Sein" und „Nicht-Sein". Man kann nicht sagen, dass es nicht existiert (denn alle Dinge entspringen ihm), noch kann man sagen, dass es existiert (denn es ist weder sichtbar noch greifbar). „Schattenhaft und unfassbar" (恍惚) ist kein abwertender Ausdruck der Verwirrung, sondern beschreibt die Transzendenz des Tao über den binären Gegensatz von Sein und Nicht-Sein.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „恍惚无形,不系之叹" — „Schattenhaft und unfassbar, formlos — ein Ausruf darüber, dass es nicht festgehalten werden kann."
Übersetzung: Im Prozess, in dem das Tao (道) sich in konkrete Dinge verwandelt, manifestiert es sich als flackerndes Licht und Schatten, bald erscheinend, bald verschwindend.
Deutung: Diese Lesart versteht „为物" als den Prozess, in dem das Tao „zu Dingen wird". Wenn sich das Tao in konkrete Objekte verwandelt, zeigt es Merkmale flimmernden Lichts und intermittierenden Erscheinens. Diese Deutung betont den dynamischen Prozess der Manifestation des Tao und nicht eine statische Beschreibung. Heshang Gongs Kommentar — „道之于万物,独恍忽往来" („Das Tao kommt und geht unter allen Dingen in schattenhafter Weise") — stützt diesen Sinn.
Ähnliche Ansichten: Heshang Gong: „道之于万物,独恍忽往来,于其无所定也" — „Das Tao (道) kommt und geht unter allen Dingen in schattenhafter und unfassbarer Weise und lässt sich auf nichts Bestimmtes fest."
Übersetzung: Im Schattenhaften und Unfassbaren existieren dennoch Bilder.
Deutung: Obwohl das Tao schattenhaft und unfassbar ist, ist es keineswegs völlig leer — in ihm sind die Bilder (Muster) aller Dinge enthalten. Obwohl das Tao formlos ist, enthält es die Blaupausen, aus denen geformte Dinge hervorgebracht werden. Dieser Satz eröffnet eine Schicht für Schicht fortschreitende Beschreibung des „Inhalts" des Tao: Bild (象) → Substanz (物) → Essenz (精) → Beweis (信), vom Vagen zum Feinen, vom Abstrakten zum Realen.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „以无形始物,不系成物,万物以始以成,而不知其所以然" — „Dinge aus dem Formlosen hervorbringend, nicht an die Vollendung der Dinge gebunden — alle Dinge beginnen und vollenden sich durch es, ohne zu wissen, wie."
Übersetzung: Im Schattenhaften und Unfassbaren existieren dennoch archetypische Muster und Gesetzmäßigkeiten aller Dinge.
Deutung: Heshang Gong deutet „象" als „法象" (archetypische Muster) — nicht konkrete Bilder, sondern die Prinzipien und Paradigmen, die die Entstehung aller Dinge bestimmen. Obwohl das Tao ohne Form und Bild ist, liegt der Grund, warum alle Dinge ihre jeweilige Erscheinung zeigen, genau darin, dass das Tao diese archetypischen Muster enthält. Diese Deutung trägt tiefere metaphysische Bedeutung.
Ähnliche Ansichten: Heshang Gong: „道唯忽恍无形,之中独有万物法象" — „Das Tao (道), schattenhaft, unfassbar und formlos, enthält allein in sich die archetypischen Muster aller Dinge."
Übersetzung: Im Schattenhaften und Unfassbaren existieren dennoch schwache Anzeichen und erste Spuren.
Deutung: Hier nimmt „象" die Bedeutung von „Anzeichen" oder „Spur" an. Obwohl das Tao schattenhaft und unfassbar ist, ist es nicht gänzlich unwahrnehmbar — wer achtsam ist, kann in der Unbestimmtheit seine Spuren und schwachen Zeichen erkennen. Diese Deutung stimmt mit der Erfahrung der Übenden überein: In tiefer Meditation kann man die feinen Signale des Tao wahrnehmen.
Ähnliche Ansichten: Dies korrespondiert mit Kapitel 14: „无状之状,无物之象" („Die Gestalt des Gestaltlosen, das Bild des Bildlosen").
Übersetzung: Im Schattenhaften und Unfassbaren existiert dennoch ein substanzieller Inhalt.
Deutung: Dieser Abschnitt schreitet vom vorigen Satz „有象" (es gibt Bilder) fort — das Tao enthält nicht nur Bilder (Muster), sondern auch konkreten substanziellen Inhalt. Obwohl das Tao formlos ist, birgt es die substanziellen Elemente, die alle Dinge ausmachen. Von „象" (Bild) zu „物" (Substanz) ist eine Vertiefung von der Form zur Materie.
Ähnliche Ansichten: Wang Bis Kommentar behandelt diesen Satz zusammen mit dem vorigen und betont, dass das Tao „以无形始物" („Dinge aus dem Formlosen hervorbringt").
Übersetzung: Im Schattenhaften und Unfassbaren existiert dennoch das „Eine" — der Urquell des Qi (气), der in ihm wirkt und gebiert.
Deutung: Heshang Gong identifiziert „物" mit dem „Einen" — dem ursprünglichen harmonischen Qi, das vom Tao hervorgebracht wird. Im Tao waltet das „Eine"; es wirkt und gebiert Verwandlung im Schattenhaften und errichtet die materielle Form durch das Qi. Diese Deutung überträgt die abstrakte philosophische Beschreibung in eine Kosmogonie der Qi-Verwandlung, im Einklang mit Heshang Gongs System der Selbstkultivierung und Lebenspflege.
Ähnliche Ansichten: Heshang Gong: „道唯恍忽,其中有一,经营生化,因气立质" — „Das Tao (道), schattenhaft und unfassbar, enthält in sich das Eine, das wirkt und Verwandlung gebiert und die materielle Form durch das Qi (气) errichtet."
Übersetzung: In der tiefen Dunkelheit existiert dennoch eine feine Essenz.
Deutung: Wang Bi kommentiert: „窈、冥,深远之叹" („窈 und 冥 sind Ausrufe der Tiefe und Ferne"). In seinen tiefsten Tiefen birgt das Tao die Lebensessenz, die alle Dinge hervorbringt — hier bezeichnet „精" das grundlegendste konstitutive Element aller Dinge. Von „象" (Form) zu „物" (Materie) zu „精" (Essenz) dringt der Text Schicht um Schicht zum Kern des Tao vor.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „窈、冥,深远之叹,深远不可得而见。然而万物由之,其可得见,以定其真" — „窈 und 冥 sind Ausrufe der Tiefe — so tief und fern, dass man es nicht sehen kann. Doch alle Dinge gehen daraus hervor, und was gesehen werden kann, dient dazu, seine Wahrheit zu bestimmen."
Übersetzung: Im Feinsten und Verborgensten existiert Lebensessenz — wo geistige Kräfte aufeinandertreffen und Yin und Yang zusammenfließen.
Deutung: Heshang Gongs Deutung durch die Kosmologie der Qi-Verwandlung: „精" ist substanzielle Lebensessenz. In den tiefsten Tiefen des Tao liegt die Lebensessenz, die durch das Zusammenfließen von Yin und Yang entsteht. Diese Deutung verwandelt die taoistische Ontologie in Kosmogonie — die Tiefen des Tao sind der Ort, an dem die Lebensessenzen von Yin und Yang sich vereinen. Für die Selbstkultivierung bedeutet das Bewahren und Nähren der Lebensessenz, sich mit dem Tao in Einklang zu bringen.
Ähnliche Ansichten: Heshang Gong: „道唯窈冥无形,其中有精实,神明相薄,阴阳交会也" — „Das Tao (道), tief, dunkel und formlos, enthält in sich substanzielle Lebensessenz, wo geistige Kräfte aufeinandertreffen und Yin und Yang zusammenfließen."
Übersetzung: Diese Lebensessenz ist zutiefst wahr, und in ihr ist ein verlässlicher Beweis.
Deutung: Obwohl das Tao schwer direkt wahrzunehmen ist, ist die Lebensessenz, die es birgt, real, und es gibt einen überprüfbaren Beleg dafür. Wang Bi kommentiert: „信,信验也。物反窈冥,则真精之极得,万物之性定" („信 bedeutet ‚überprüfbarer Beweis'. Wenn die Dinge in die tiefe Dunkelheit zurückkehren, wird das Äußerste der wahren Essenz erlangt und die Natur aller Dinge bestimmt"). Die Wirklichkeit des Tao beruht nicht auf Glauben, sondern wird durch die Existenz aller Dinge selbst bestätigt.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „信,信验也。物反窈冥,则真精之极得,万物之性定。故曰,其精甚真,其中有信也" — „信 bedeutet ‚überprüfbarer Beweis'. Wenn die Dinge in die tiefe Dunkelheit zurückkehren, wird das Äußerste der wahren Essenz erlangt und die Natur aller Dinge bestimmt. Daher heißt es: ‚Seine Essenz ist zutiefst wahr; in ihr ist verlässlicher Beweis.'"
Übersetzung: Diese Lebensessenz ist im höchsten Maße authentisch und rein, und in ihr ist ein wahrhaft verlässlicher Beleg.
Deutung: Hier nimmt „真" die Bedeutung von „authentisch, natürlich" an. Die Lebensessenz im Tao ist nicht künstlich erzeugt, sondern von Natur aus authentisch — „言存精气,其妙甚真,非有饰也" (Heshang Gong: „Die bewahrte Lebensessenz ist wunderbar authentisch, ohne jede Künstlichkeit"). „信在中" — die Verlässlichkeit des Tao liegt in seinem Inneren; sie wird nicht äußerlich verkündet, sondern ist innerlich wahr. Diese Deutung betont die Eigenschaft des Tao, ungeschmückt zu sein.
Ähnliche Ansichten: Heshang Gong: „言存精气,其妙甚真,非有饰也。道匿功藏名,其信在中也" — „Die bewahrte Lebensessenz des Qi (气) ist wunderbar authentisch, ohne jede Künstlichkeit. Das Tao (道) verbirgt sein Verdienst und versteckt seinen Namen; seine Verlässlichkeit liegt in seinem Inneren."
Übersetzung: Diese Lebensessenz ist zutiefst wahr, und in ihr ist untrügliche Aufrichtigkeit.
Deutung: Hier nimmt „信" die Bedeutung von „Aufrichtigkeit, Treue" an. Das Tao täuscht niemals — die Lebensessenz, die es birgt, ist absolut wahr. Das Tao der Natur lügt nie; Werden, Vergehen und Wandlung aller Dinge sind selbst die Verkörperung der Aufrichtigkeit des Tao. Diese Deutung bildet einen Kontrast zu Kapitel 17: „信不足焉,有不信焉" („Wenn das Vertrauen nicht ausreicht, entsteht Misstrauen") — menschliche Aufrichtigkeit mag unzureichend sein, aber das Tao bricht niemals sein Wort.
Ähnliche Ansichten: Dies korrespondiert mit dem Thema „信不足焉" in den Kapiteln 17 und 23.
Übersetzung: Von der Antike bis heute ist der Name des Tao (道) nie verschwunden; durch ihn beobachten die Menschen den Ursprung aller Dinge.
Deutung: Die geläufigste Deutung. Das Tao durchzieht alle Zeitalter und existiert ewig. „阅众甫" bedeutet, dass man durch das Tao beobachtet, wie alle Dinge entstanden sind — das Tao ist der Schlüssel zum Verständnis der Ursprünge aller Dinge.
Ähnliche Ansichten: Die Deutung der meisten traditionellen Kommentare.
Übersetzung: Von der Antike bis heute hat sich das Tao (道) — dessen Name „das Namenlose" ist — nie entfernt; es hat den Anfang aller Dinge miterlebt.
Deutung: Wang Bis Deutung: „至真之极,不可得名,无名则是其名也。自古及今,无不由此而成" („Am äußersten Gipfel der Authentizität kann es nicht benannt werden; ‚das Namenlose' ist sein Name. Von der Antike bis heute ist nichts entstanden, ohne durch es hindurchgegangen zu sein"). „Das Namenlose" ist der Name des Tao selbst — denn das Tao transzendiert jede Definition. Das Tao hat die Geburt aller Dinge von alters her bezeugt und daran teilgehabt.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „至真之极,不可得名,无名则是其名也。自古及今,无不由此而成" — „Am äußersten Gipfel der Authentizität kann es nicht benannt werden; ‚das Namenlose' ist sein Name. Von der Antike bis heute ist nichts entstanden, ohne durch es hindurchgegangen zu sein."
Übersetzung: Von der Antike bis heute ist der Name des Tao (道) nie verschwunden; das Tao verleiht allen Dingen ihr ursprüngliches Qi (气) bei ihrer Entstehung.
Deutung: Heshang Gong glossiert „阅" als „禀" (verleihen, austatten). Das Tao wird nicht nur passiv beobachtet; es verleiht aktiv allen Dingen ihr anfängliches Qi. „言道禀与,万物始生,从道受气" („Das Tao verleiht und stattet aus; alle Dinge empfangen bei ihrer anfänglichen Entstehung ihr Qi vom Tao"). Diese Deutung macht das Tao aktiver schöpferisch: Das Tao ist der Spender am Ursprung aller Dinge.
Ähnliche Ansichten: Heshang Gong: „阅,禀也。甫,始也。言道禀与,万物始生,从道受气" — „阅 bedeutet ‚verleihen'. 甫 bedeutet ‚Anfang'. Das Tao (道) verleiht und stattet aus; alle Dinge empfangen bei ihrer anfänglichen Entstehung ihr Qi (气) vom Tao."
Übersetzung: Wie kann ich den Zustand der Ursprünge aller Dinge erkennen?
Deutung: Laozi stellt eine rhetorische Frage: Da das Tao schattenhaft und formlos ist — wie kann ich wissen, wie alle Dinge angefangen haben? Diese Frage dient als abschließende Erkundigung für das gesamte Kapitel und führt zu einem knappen und kraftvollen Schluss.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „言吾何以知万物之始于无哉" — „Er sagt: Woher weiß ich, dass alle Dinge aus dem Nichts begonnen haben?"
Übersetzung: Durch all das Vorstehende — das Schattenhafte des Tao, das Bilder, Substanz, Essenz und verlässlichen Beweis enthält.
Deutung: Wang Bis Deutung: „此上之所云也。言吾何以知万物之始于无哉,以此知之也" („‚Dieses' verweist auf das oben Gesagte. Er sagt: Woher weiß ich, dass alle Dinge aus dem Nichts begonnen haben? Durch dieses weiß ich es"). Laozi erkennt den Ursprung aller Dinge durch sein schichtweises Erfassen des Schattenhaften, der Bilder, der Substanz, der Essenz und des Beweises des Tao. Die Methode, das Tao zu erkennen, ist das Tao selbst. Der Schluss in zwei Zeichen ist von schneidender Kürze und Kraft.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „此上之所云也。言吾何以知万物之始于无哉,以此知之也" — „‚Dieses' verweist auf das oben Gesagte. Er sagt: Woher weiß ich, dass alle Dinge aus dem Nichts begonnen haben? Durch dieses weiß ich es."
Übersetzung: Durch die Gegenwart — durch die Beobachtung der Existenz aller Dinge, wie sie jetzt sind.
Deutung: Heshang Gongs Deutung: „此,今也。以今万物皆得道精气而生,动作起居,非道不然" („‚Dieses' bedeutet ‚die Gegenwart'. Indem man beobachtet, dass alle Dinge jetzt das vitale Qi des Tao empfangen und geboren werden, und dass alle ihre Bewegungen und Tätigkeiten ohne das Tao unmöglich wären"). Es ist nicht nötig, in die ferne Vergangenheit zurückzugehen — man betrachte einfach die Existenz und das Wirken aller Dinge in der Gegenwart und weiß, dass sie alle vom vitalen Qi des Tao stammen. Dies ist eine empiristische Erkenntnismethode: Die Wirklichkeit des Tao wird durch die gegenwärtige Existenz aller Dinge bewiesen.
Ähnliche Ansichten: Heshang Gong: „此,今也。以今万物皆得道精气而生,动作起居,非道不然" — „‚Dieses' bedeutet ‚die Gegenwart'. Indem man beobachtet, dass alle Dinge jetzt das vitale Qi (气) des Tao (道) empfangen und geboren werden, und dass alle ihre Bewegungen und Tätigkeiten ohne das Tao unmöglich wären."
Dieses Kapitel enthält 21 Deutungskombinationen.
[Kerndifferenzen]
Kapitel 21 ist dasjenige Kapitel im Tao Te Ching, das den „Inhalt" des Tao am ausführlichsten beschreibt. Wenn Kapitel 1 verkündet „道可道,非常道" — dass das Tao nicht ausgesprochen werden kann —, so ist Kapitel 21 gerade Laozis Versuch, das Unaussprechliche auszusprechen. Das Kapitel folgt einer schichtweise fortschreitenden Struktur: das Schattenhafte (Gesamteindruck) → Bild (Ebene der Form) → Substanz (Ebene der Materie) → Essenz (Ebene der Quintessenz) → Beweis (Ebene der Verifikation), vom Vagen zum Bestimmten, von der Peripherie zum Kern, Schritt für Schritt dem Wesen des Tao näherkommend. Die zentrale Divergenz liegt im Eingangsausdruck „孔德之容" und dem Zeichen „孔": Wang Bi glossiert es als „leer", wodurch das gesamte Kapitel zu einem philosophischen Text wird, der zeigt, dass „die Leere die größte Tugend ist" — nur ein leerer Geist (frei von Anhaftung und Vorurteil) kann die Bilder, Substanz, Essenz und Beweise im Schattenhaften wahrnehmen. Heshang Gong glossiert es als „groß", wodurch das Kapitel zu einem Leitfaden der Kultivierung wird, der beschreibt, „wie ein Mensch von großer Tugend das Tao verkörpert". Beide Deutungen sind von tiefer Bedeutung: Die erste begründete die Wei-Jin-Xuanxue-Tradition des „Das Nichts als Wurzel nehmen" (以无为本), während die zweite eine theoretische Grundlage für die taoistischen Praktiken der Lebenspflege und Selbstkultivierung lieferte. Bemerkenswert ist, dass das gesamte Kapitel mit den zwei äußerst knappen Zeichen „以此" (Durch dieses) schließt — Wodurch erkennt man, was am Ursprung aller Dinge steht? Durch dieses. Der entschiedene Ton deutet an, dass die Wirklichkeit des Tao keines äußeren Beweises bedarf; die oben beschriebenen Bilder, Substanz, Essenz und Beweise im Schattenhaften sind selbst der beste Beleg.