Tao Te Ching Kapitel 10: Der vollständige Kommentar

Der folgende Inhalt bietet eine multiperspektivische Tiefenanalyse jedes Satzes dieses Kapitels, die traditionelle Kommentare, philologische Analysen, philosophische Interpretationen und weitere Dimensionen umfasst. Grundtext: Wang Bis Kommentar zum Daode Zhenjing, Ausgabe des Zhengtong Daozang
Die „Kombination"-Bezeichnung jeder Deutung folgt dem Format „Zeichen + Bedeutungsnummer" (z.B. „dàoC-A"), d.h. diese Deutung verwendet Bedeutung C von „dào" und Bedeutung A von „". Das vollständige Glossar finden Sie am Ende dieses Kapitels: [Anhang: Glossar der Schlüsselzeichen].

[Satz 1] zàiyíngbàonéng?(Kann man die Seelen tragen und die Einheit umfassen, ohne sie sich trennen zu lassen?)

Kapitel 10 · Satz 1: zàiyíngbàonéng

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: zàiA-yíngA-A-bàoA-A-néngA-A-A
Übersetzung: Die Hun- und Po-Seelen tragen und sie zu einer Einheit zusammenführen — kann man sie davon abhalten, sich zu trennen?
Deutung: Die verbreitetste traditionelle Auslegung. „zài" bedeutet tragen, stützen; „yíng" bezeichnet die Hun- und Po-Seelen — die geistige Seele (Hun) und die körperliche Seele (Po); „bào" bedeutet, die Einheit von Körper und Geist zu umfassen. Das Hun (Yang-Geist) und das Po (Yin-Geist) neigen dazu, sich durch Begierden und Emotionen zu trennen; der Übende des Tao muss Form und Geist vereinen, damit sie sich niemals trennen. Dies ist die erste Stufe der Selbstkultivierung bei Laozi.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong (shànggōng): „rénzàihúnzhīshàngshēngdāngàiyǎngzhīwánghúnjīngshāng。" („Das menschliche Leben beruht darauf, Hun und Po zu tragen; man soll sie liebevoll nähren. Freude und Zorn zerstreuen das Hun; plötzlicher Schreck verletzt das Po.")
Kapitel 10 · Satz 1: zàiyíngbàonéng

[Deutung 2] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: zàiC-yíngC-A-bàoA-C-néngA-A-A
Übersetzung: Im Körper (der Wohnstätte des Geistes) verweilen und die reine, ungeteilte wahre Natur umfassen — kann man stets verbleiben, ohne davon abzuweichen?
Deutung: Wang Bis Auslegung. „zài" nimmt die Bedeutung von „verweilen" an; „yíng" ist der gewöhnliche Aufenthaltsort des Menschen (d.h. der Körper); „" ist die wahre Natur des Menschen. Der Schwerpunkt liegt nicht auf der Vereinigung von Hun und Po, sondern darauf, am reinen, lichten Geist festzuhalten, ohne ihn den Körper verlassen zu lassen. Diese Lesart tendiert zur Ontologie — das „Eine" (die wahre Natur / das Tao) bewahren, und alle Dinge werden sich von selbst fügen.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „zàiyóuchùyíngrénzhīchángchùrénzhīzhēnyánrénnéngchùchángzhīzháibàoqīngshénnéngcháng。" („zài bedeutet ‚verweilen'. yíng ist die gewöhnliche Wohnstätte des Menschen. ist die wahre Natur des Menschen. Es besagt: Kann man in der gewöhnlichen Wohnstätte verweilen, die Einheit umfassen und den Geist läutern, ohne je davon abzuweichen?")
Kapitel 10 · Satz 1: zàiyíngbàonéng

[Deutung 3] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: zàiA-yíngB-B-bàoA-B-néngA-A-A
Übersetzung: Das nährende Qi () und den physischen Körper tragen, das Tao (dào) (das uranfängliche harmonische Qi) umfassen — kann man sie davon abhalten, sich zu trennen?
Deutung: Heshanggongs kultivierungsorientierte Auslegung. „yíng" nimmt die Bedeutung von Ying-Qi (nährendes Qi) an, „" die des physischen Körpers, und „" die Bedeutung des „uranfänglichen harmonischen Qi, das aus dem Tao hervorging". Diese Lesart verankert die Kultivierung in der konkreten Praxis der Verfeinerung des Lebens-Qi — wer das aus dem Tao geborene Qi umfassen und es am Verlassen des Körpers hindern kann, vermag Langlebigkeit zu erlangen.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong (shànggōng): „zhědàoshǐsuǒshēngtàizhījīng。" („Das Eine ist das uranfängliche harmonische Lebens-Qi, das am Anfang des Tao geboren wurde.")
Kapitel 10 · Satz 1: zàiyíngbàonéng

[Deutung 4] Neuartig · Mittlere Glaubwürdigkeit

Kombination: zàiB-yíngA-A-bàoA-A-néngA-A-B
Übersetzung: (So gesagt:) Die Hun- und Po-Seelen müssen sich umfassen und eins werden — kann man vermeiden, von diesem Zustand abzuweichen?
Deutung:zài" nimmt die Bedeutung einer Einleitungspartikel an (bedeutend „dann" oder „also"), ohne inhaltliche Bedeutung, lediglich zur Einleitung der Aussage dienend. „" nimmt die Bedeutung von „abweichen" an. Diese Lesart behandelt „zài" als grammatisches Funktionswort statt als Inhaltswort und legt den Schwerpunkt auf „die Einheit umfassen" und „nicht abweichen".
Ähnliche Ansichten: Einige Philologen betrachten „zài" als Einleitungspartikel.

[Satz 2] zhuānzhìróunéngyīngér?(Kann man das Qi konzentrieren, um Weichheit zu erlangen, und wie ein Säugling werden?)

Kapitel 10 · Satz 2: zhuānzhìróunéngyīngér

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: zhuānA-A-zhìA-róuA
Übersetzung: Den Atem konzentrieren, um einen Zustand der Weichheit zu erreichen — kann man wie ein Säugling werden?
Deutung: Die verbreitetste Auslegung. „zhuān" bedeutet sich konzentrieren; „" bezeichnet den Atem; „zhìróu" bedeutet, Weichheit herbeizuführen. Durch Atemregulierung (Konzentration auf die Atmung) bringt der Übende Körper und Geist in einen Zustand weicher Harmonie. Der Säugling ist Laozis Ideal — weich, unschuldig, voller Lebenskraft, aber frei von Begierden. Dieser Satz repräsentiert die zweite Stufe der Kultivierung: die Atemregulierung.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong (shànggōng): „zhuānshǒujīng使shǐluànxíngnéngyīngzhīérróushùn。" („Wenn man das Lebens-Qi ausschließlich bewahrt und es nicht in Unordnung geraten lässt, wird der physische Körper mit Weichheit und Geschmeidigkeit darauf antworten.")
Kapitel 10 · Satz 2: zhuānzhìróunéngyīngér

[Deutung 2] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: zhuānB-C-zhìB-róuB
Übersetzung: Das natürliche Qi frei fließen lassen, um die äußerste Weichheit zu erreichen — kann man wie ein Säugling werden?
Deutung: Wang Bis Auslegung. „zhuān" nimmt die Bedeutung von „gewähren lassen" (rèn) an, und „" die Bedeutung von „natürlichem Qi". Statt den Atem bewusst zu kontrollieren, lässt man das natürliche Qi von selbst fließen und erreicht die Harmonie äußerster Weichheit. Der Schwerpunkt liegt auf dem Nicht-Handeln (wèi) — nicht den Willen zur Kontrolle des Qi einsetzen, sondern es seinem natürlichen Lauf folgen lassen. Dies steht in krassem Gegensatz zu Heshanggongs Betonung des „ausschließlichen Bewahrens des Lebens-Qi" als aktiver Übung.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „zhuānrènzhìyánrènránzhīzhìzhìróuzhīnéngruòyīngérzhīsuǒ。" („zhuān bedeutet ‚gewähren lassen'; zhì bedeutet ‚das Äußerste erreichen'. Es besagt: Das natürliche Qi fließen lassen, die Harmonie äußerster Weichheit erreichen — kann man wie ein Säugling sein, frei von Begierden?")
Kapitel 10 · Satz 2: zhuānzhìróunéngyīngér

[Deutung 3] Traditionell · Mittlere Glaubwürdigkeit

Kombination: zhuānC-B-zhìA-róuA
Übersetzung: Das Lebens-Qi ausschließlich bewahren, um Weichheit zu erreichen — kann man wie ein Säugling werden?
Deutung: Eine Auslegung aus der Lebenspflegetradition. „zhuān" nimmt die Bedeutung von „ausschließlich bewahren" an, und „" die von „Lebens-Qi" (jīng). Diese Lesart betont, dass der Übende seine Lebenskraft ausschließlich bewahren muss, sie am Austreten und Zerstreuen hindern, um in den weichen und reinen Zustand des Säuglings zurückzukehren. Dies bildet eine der theoretischen Grundlagen der daoistischen Inneren Alchemie (nèidān).
Ähnliche Ansichten: Heshanggong (shànggōng): „néngyīngérnèiwàizhèngshìjīngshén。" („Kann man wie ein Säugling sein — innerlich frei von Grübeleien, äußerlich frei von weltlichen Angelegenheiten — dann wird der Lebensgeist nicht weichen.")

[Satz 3] chúxuánlǎnnéng?(Kann man den tiefen Spiegel des Geistes reinigen, bis er ohne Makel ist?)

Kapitel 10 · Satz 3: chúxuánlǎnnéng

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: A-chúA-xuánB-lǎnA-A
Übersetzung: Die störenden Gedanken aus den Tiefen des Geistes waschen und beseitigen — kann man die innere Betrachtung makellos machen?
Deutung: Heshanggongs Auslegung. „xuánlǎn" wird als das kontemplative Vermögen in den Tiefen des Geistes gedeutet — das Herz verweilt im Reich des dunkel Geheimnisvollen und kann alle Dinge wahrnehmen. Der Übende muss den Geist reinigen, alle ablenkenden und trügerischen Gedanken beseitigen und den Herzensspiegel hell und makellos machen. Diese Lesart betont die Kultivierung der inneren Natur, als dritte Stufe der Selbstkultivierung.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong (shànggōng): „dāngxīn使shǐjiéjìngxīnxuánmíngzhīchùlǎnzhīwànshìwèizhīxuánlǎn。" („Man soll das Herz waschen und es rein machen. Das Herz verweilt im Reich des dunkel Geheimnisvollen, nimmt alle Dinge wahr und erkennt sie — daher der Begriff ‚tiefe Betrachtung'.")
Kapitel 10 · Satz 3: chúxuánlǎnnéng

[Deutung 2] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: A-chúA-xuánC-lǎnA-B
Übersetzung: Ablenkungen waschen, um die höchste Betrachtung zu erreichen — kann man verhindern, dass äußere Dinge die Klarheit des Geistes beeinträchtigen?
Deutung: Wang Bis Auslegung. „xuán" nimmt die Bedeutung von „das Äußerste der Dinge" an, und „" die Bedeutung von „Hindernisse, die den Geist schädigen". Diese Lesart betont: Nachdem man allen Schein und Schmuck abgewaschen hat, erreicht man den höchsten Zustand der Betrachtung — kann man dann verhindern, dass äußere Dinge die eigene klare Weisheit trüben? Gelingt dies, kann man „schließlich eins werden mit dem Geheimnisvollen" — vereint mit dem Tao.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „xuánzhīyánnéngchúxiéshìzhìlǎnnéngjièmíngzhīshén。" („xuán ist das Äußerste der Dinge. Es besagt: Kann man falsche Verzierungen abwaschen, die höchste Betrachtung erreichen, und kann man verhindern, dass äußere Dinge sich in die eigene Klarheit drängen und den Geist beflecken?")
Kapitel 10 · Satz 3: chúxuánlǎnnéng

[Deutung 3] Neuartig · Mittlere Glaubwürdigkeit

Kombination: A-chúA-xuánA-lǎnB-A
Übersetzung: Jenen tiefen Herzensspiegel waschen und reinigen (von seinem Staub) — kann man ihn makellos machen?
Deutung:lǎn" wird als phonetische Entlehnung für „jiàn" (Spiegel) gelesen, wodurch „xuánlǎn" gleichbedeutend wird mit „xuánjiàn" — dem tiefen Herzensspiegel. Diese Lesart vergleicht die Kultivierung mit dem Polieren eines Spiegels: Das menschliche Herz ist ursprünglich wie ein heller Spiegel, aber es wird vom Staub der Begierden und ablenkenden Gedanken bedeckt. „chúxuánlǎn" bedeutet, den Staub vom Herzensspiegel abzuwischen. Diese Metapher nimmt den späteren Vers von Shenxiu vorweg: „shíshíqínshì使shǐchénāi" („Ständig eifrig wischen und polieren; keinen Staub darauf fallen lassen").
Ähnliche Ansichten: Einige Gelehrte übernehmen die Lesung von „lǎn" als Entlehnung für „jiàn" und stellen eine Verbindung zur buddhistischen Metapher des „Herzens als heller Spiegel" her.

[Satz 4] àimínzhìguónéngzhī?(Kann man das Volk lieben und den Staat regieren, ohne List anzuwenden?)

Kapitel 10 · Satz 4: àimínzhìguónéngzhī

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: àiA-mínA-zhìA-guóA-zhīA
Übersetzung: Das Volk lieben und den Staat regieren — kann man dies tun, ohne auf listige Strategien zurückzugreifen?
Deutung: Die gängigste Auslegung. „zhī" ist eine phonetische Entlehnung für „zhì" (Klugheit/List), und bezeichnet Schlauheit und politische Ränke. Laozi vertrat die Ansicht, dass die höchste Form des Regierens „ohne List" sei — auf Verschwörungen und Strategien zugunsten einer schlichten und natürlichen Regierungsweise zu verzichten. Dies steht im Einklang mit Kapitel 3 („shàngxián使shǐmínzhēng" — „Die Würdigen nicht erhöhen, damit das Volk nicht wetteifert") und Kapitel 65 („zhìzhìguóguózhīzéi" — „Einen Staat mit List zu regieren heißt, sein Dieb zu sein").
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „zhìguózhìyóuzhìnéngzhìmínérguózhìzhī。" („Den Staat ohne List zu regieren ist, als ob man alle List verwürfe. Kann man ohne List regieren? Dann wird das Volk nicht ausweichend sein und der Staat wird gut regiert.")
Kapitel 10 · Satz 4: àimínzhìguónéngzhī

[Deutung 2] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: àiB-mínA-zhìB-guóB-zhīA
Übersetzung: Das Lebens-Qi wertschätzen und den Körper kultivieren — kann man dies tun, ohne auf Klugheit zurückzugreifen?
Deutung: Heshanggongs Auslegung der doppelten Kultivierung von Körper und Staat. Dieser Satz gilt gleichzeitig für die Selbstkultivierung und das Regieren. Wer sich selbst kultiviert und das Lebens-Qi wertschätzt, bewahrt den Körper; der Herrscher, der das Volk wertschätzt, sichert den Staat. Auf beiden Ebenen muss man „Freiheit von List" erreichen — kein Rückgriff auf Tricks oder Kunstgriffe.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong (shànggōng): „zhìshēnzhěàishēnquánzhìguózhěàimínguóān。" („Bei der Kultivierung des Körpers bewahrt die Wertschätzung des Qi den Körper unversehrt; beim Regieren des Staates sichert die Wertschätzung des Volkes den Frieden des Staates.")
Kapitel 10 · Satz 4: àimínzhìguónéngzhī

[Deutung 3] Neuartig · Mittlere Glaubwürdigkeit

Kombination: àiA-mínA-zhìA-guóA-zhīC
Übersetzung: Das Volk lieben und den Staat regieren — kann man unbewusst handeln, ohne Spuren bewussten Eingreifens zu hinterlassen?
Deutung:zhī" nimmt die Bedeutung von „bewusstes Gewahrsein, bewusstes Eingreifen" an. Diese Lesart geht eine Ebene tiefer: Es geht nicht nur darum, List zu vermeiden, sondern selbst das Bewusstsein des Regierens zu beseitigen. Wahrhaft gutes Regieren geschieht, wenn der Herrscher ohne bewusste Absicht handelt und das Volk nicht weiß, dass es regiert wird. Dies entspricht Kapitel 17: „tàishàngxiàzhīyǒuzhī" („Die besten Herrscher sind jene, von denen die Untertanen lediglich wissen, dass sie existieren").
Ähnliche Ansichten: Konvergiert mit dem höchsten Ideal des „Regierens durch Nicht-Handeln" (wèiérzhì).

[Satz 5] tiānménkāinéngwèi?(Wenn sich die Himmelstore öffnen und schließen, kann man die Rolle des Weiblichen einnehmen?)

Kapitel 10 · Satz 5: tiānménkāinéngwèi

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: tiānménA-kāiA-A-A
Übersetzung: Wenn die Sinne sich in ihrem Austausch mit der Außenwelt öffnen und schließen — kann man einen Zustand sanfter Stille bewahren?
Deutung: Die verbreitetste Auslegung. „tiānmén" (Himmelstore) bezeichnet die Sinnesorgane — Augen, Ohren, Nase und Mund sind die Fenster, durch die die Seele der Außenwelt begegnet. Die Sinne öffnen und schließen sich fortwährend (nehmen äußere Dinge wahr); kann man inmitten unzähliger Reize die innere Ruhe und Sanftheit bewahren, ohne von äußeren Dingen mitgerissen zu werden? „" (das Weibliche) ist eine Eigenschaft, die Laozi in höchstem Maße schätzte — Weichheit überwindet Härte.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong (shànggōng): „zhìshēndāngpìnānjìngróuruò。" („Bei der Kultivierung des Körpers soll man sein wie das Weibliche — ruhig, still, weich und nachgiebig.")
Kapitel 10 · Satz 5: tiānménkāinéngwèi

[Deutung 2] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: tiānménC-kāiA-A-B
Übersetzung: Wenn der Angelpunkt aller Dinge unter dem Himmel sich im Wechsel von Ordnung und Chaos öffnet und schließt — kann man antworten, ohne die Führung zu übernehmen?
Deutung: Wang Bis politisch-philosophische Auslegung. „tiānmén" ist das Tor, durch das alle Angelegenheiten der Welt gehen; „kāi" bezeichnet die kritischen Wendepunkte von Ordnung und Unordnung, Aufstieg und Niedergang. Angesichts der großen Umwälzungen der Welt — kann man die Haltung des „Weiblichen" bewahren — antworten ohne zu beginnen, folgen ohne aufzuzwingen? Dies ist der Weg des Nicht-Handelns (wèi) in der politischen Sphäre.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „tiānméntiānxiàzhīsuǒcóngyóukāizhìluànzhīyīngérchàngyīnérwèi。" („‚Das Himmelstor' ist der Durchgang, durch den alles unter dem Himmel geht. ‚Öffnen und Schließen' sind die Wendepunkte von Ordnung und Chaos. ‚Das Weibliche' bedeutet antworten ohne zu beginnen, folgen ohne zu handeln.")
Kapitel 10 · Satz 5: tiānménkāinéngwèi

[Deutung 3] Traditionell · Mittlere Glaubwürdigkeit

Kombination: tiānménB-kāiA-A-A
Übersetzung: Beim Ein- und Ausatmen durch die Nasenlöcher — kann man sanft und still bleiben?
Deutung: Heshanggongs Qigong-basierte Auslegung. „tiānmén" bezeichnet die Nasenlöcher; „kāi" ist das Einatmen, „" das Ausatmen. Während der Atemübung soll der Übende sanft und gelassen bleiben, weder hastig noch erzwungen. Dies korrespondiert mit dem zweiten Satz „zhuānzhìróu" (das Qi konzentrieren, um Weichheit zu erreichen); beide beschreiben die spezifische Disziplin der Atemregulierung.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong (shànggōng): „tiānménwèikǒngkāiwèichuǎnwèi。" („‚Das Himmelstor' bezeichnet die Nasenlöcher. ‚Öffnen' bedeutet Keuchen; ‚Schließen' bedeutet Atmen.")
Kapitel 10 · Satz 5: tiānménkāinéngwèi

[Deutung 4] Neuartig · Geringe Glaubwürdigkeit

Kombination: tiānménD-kāiA-A-A
Übersetzung: In den Bewegungen und Veränderungen des Himmelsweges (des Palastes der Purpurnen Feinheit) — kann man sanft bleiben?
Deutung: Heshanggongs kosmologisch-astronomische Auslegung. „tiānmén" bezeichnet den Palast der Purpurnen Feinheit am Nordpol, den Angelpunkt der Himmelsbewegung. Das Tao des Himmels öffnet und schließt sich nach seinen eigenen Gesetzen; können die Menschen den sanften Lauf des Himmelsweges nachahmen? Diese Lesart erhebt die Perspektive von der persönlichen Kultivierung auf die Ebene der Kosmologie.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong (shànggōng): „tiānménwèiběiwēigōngkāiwèizhōngshǐ。" („‚Das Himmelstor' bezeichnet den Palast der Purpurnen Feinheit am Nordpol. ‚Öffnen und Schließen' bezeichnet die Zyklen der fünf Übergänge.")

[Satz 6] míngbáinéngzhī?(Mit strahlender Klarheit, die in alle Richtungen reicht — kann man dies tun, ohne List anzuwenden?)

Kapitel 10 · Satz 6: míngbáinéngzhī

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: míngB-báiA-A-A-zhīA
Übersetzung: Mit durchdringendem Verständnis und Weisheit, die in alle vier Richtungen reicht — kann man dies tun, ohne auf listige Strategien zurückzugreifen?
Deutung: Die verbreitetste Auslegung. Jemand, der die Dinge klar versteht und in jede Richtung wahrnimmt, und dennoch davon absehen kann, sich auf List und Strategien zu stützen — das ist wahre Weisheit. „míngbái" beschreibt den Zustand der Weisheit; „zhī" beschreibt die Art ihrer Anwendung. Wissen und dennoch keine List anwenden — das ist die höchste Klarheit. Darin liegt die tiefe Bedeutung des Spruchs „Große Weisheit erscheint töricht" (zhìruò).
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „yánzhìmínghuònéngwèihuà。" („Es besagt: Die höchste Klarheit in alle vier Richtungen erreichend, frei von Verwirrung und Irrtum — kann man von bewusstem Handeln absehen? Wenn ja, dann werden sich alle Dinge von selbst wandeln.")
Kapitel 10 · Satz 6: míngbáinéngzhī

[Deutung 2] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: míngA-báiA-A-B-zhīB
Übersetzung: Mit klarem Verständnis und vollständiger Einsicht in alle Dinge — kann man es vermeiden, sich seines eigenen Wissens zu überheben?
Deutung:zhī" nimmt die Bedeutung von „sich seines Wissens anmaßen" an. Wahrhaft durchdringendes Verständnis bedeutet nicht, seine Klugheit zur Schau zu stellen, sondern demütig und zurückhaltend zu bleiben, ohne sich auf die eigene Intelligenz zu stützen. Je klarer man in alle Richtungen sieht, desto bescheidener und innerlich zurückhaltender sollte man sein. Dies entspricht Kapitel 71: „zhīzhīshàngzhīzhībìng" („Wissen und doch nicht zu wissen meinen ist das Beste; nicht wissen und zu wissen meinen ist eine Krankheit").
Ähnliche Ansichten: Konvergiert mit Kapitel 71: „zhīzhīshàng" („Wissen und doch denken, man wisse nicht, ist das Beste").
Kapitel 10 · Satz 6: míngbáinéngzhī

[Deutung 3] Neuartig · Mittlere Glaubwürdigkeit

Kombination: míngA-báiA-A-A-zhīC
Übersetzung: Mit Licht, das in alle vier Richtungen strahlt — kann man die Grenzen des Wissens überschreiten?
Deutung: Heshanggongs kosmologische Auslegung. „míngbái" wird dem Glanz von Sonne und Mond verglichen, der die ganze Welt erleuchtet. „zhī" bedeutet nicht, dass es an Intelligenz fehlt, sondern dass das Große Tao alles unter dem Himmel erfüllt, ohne dass irgendjemand es wahrnehmen kann — die Größe des Tao liegt darin, dass sein Wirken lautlos und spurlos geschieht.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong (shànggōng): „yǒunéngzhīdàomǎntiānxiàzhě。" („Niemand kann wahrnehmen, dass das Tao die ganze Welt erfüllt.")
Kapitel 10 · Satz 6: míngbáinéngzhī

[Deutung 4] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: zhùshìwángběnzuò'néngwèi'
Übersetzung: Mit durchdringendem Verständnis und Weisheit, die in alle vier Richtungen reicht — kann man Nicht-Handeln (wèi) praktizieren?
Deutung: Eine bedeutende Textvariante: Wang Bis Text lautet „néngwèi" (kann man Nicht-Handeln praktizieren?) anstatt „néngzhī" (kann man auf List verzichten?). Nimmt man die Lesart „Nicht-Handeln" an, dann bildet dieser Satz mit dem vorhergehenden „àimínzhìguónéngzhī" eine progressive Abfolge — zunächst Freiheit von List (keine Tricks), dann Nicht-Handeln (keinerlei Eingreifen). Diese Variante ist von großer Bedeutung: „Nicht-Handeln" treibt die Kultivierungspraxis auf ihre höchste Stufe — höchste Klarheit verbunden mit Nicht-Handeln.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „yánzhìmínghuònéngwèihuàsuǒwèidàochángwèihóuwángruònéngshǒuwànhuà。" („Es besagt: Die höchste Klarheit in alle vier Richtungen erreichend, frei von Verwirrung und Irrtum — kann man von bewusstem Handeln absehen? Dann werden sich alle Dinge von selbst wandeln. Dies meint: ‚Das Tao ist ewig nicht-handelnd; können Fürsten und Könige daran festhalten, dann werden sich alle Dinge von selbst wandeln.'")

[Satz 7] shēngzhīchùzhīshēngéryǒuwèiérshìzhǎngérzǎishìwèixuán。(Es gibt ihnen Leben und nährt sie, doch besitzt sie nicht; es handelt, doch stützt sich nicht auf sein Vermögen; es führt, doch beherrscht nicht — dies nennt man Dunkle Tugend.)

Kapitel 10 · Satz 7: shēngzhīchùzhīshēngéryǒuwèiérshìzhǎngérzǎishìwèixuán

[Deutung 1] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: shēngA-chùA-shēngA-éryǒuA-wèiA-érshìA-zhǎngA-érzǎiA-xuánA-A
Übersetzung: Es gibt allen Dingen das Leben und nährt sie; es gibt ihnen das Leben, doch beansprucht keinen Besitz; es handelt, doch stützt sich nicht auf sein eigenes Vermögen; es nährt alle Dinge, doch beherrscht sie nicht — dies nennt man „Dunkle Tugend" (xuán) — die tiefste und weitreichendste Tugend.
Deutung: Der abschließende Absatz des gesamten Kapitels, der den Charakter des Tao (dào) erhellt. Das Tao gibt allen Dingen das Leben (Schöpfung) und nährt sie (Erhaltung), doch beansprucht niemals Besitz, stützt sich nicht auf sich und beherrscht nicht. Dies ist die höchste Form der Tugend, die weltlichen Nützlichkeitsdenken übersteigt — die „Dunkle Tugend" (xuán). „xuán" (das Geheimnisvolle/Dunkle) betont, dass diese Tugend verborgen und unmerklich, tief und unergründlich ist. Diese Passage erscheint auch in Kapitel 51 und stellt eine wiederkehrende Formulierung des Kerngedankens Laozis dar.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „sāiyuánshēnggōngzhīyǒujìnxìngwèizhīshìfányánxuánjiēyǒuérzhīzhǔchūyōumíng。" („Wenn man die Quelle nicht versperrt, dann entstehen die Dinge von selbst — welches Verdienst gäbe es zu beanspruchen? Wenn man ihre Natur nicht unterdrückt, dann erfüllen sich die Dinge von selbst — welcher Stütze bedarf es? Wann immer die ‚Dunkle Tugend' erwähnt wird, bezieht sie sich auf eine Tugend, die existiert, deren Herr aber unbekannt ist und die aus dem dunkel Geheimnisvollen hervortritt.")
Kapitel 10 · Satz 7: shēngzhīchùzhīshēngéryǒuwèiérshìzhǎngérzǎishìwèixuán

[Deutung 2] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: zhǎngB-érzǎiA-shìA
Übersetzung: Es gibt allen Dingen das Leben und nährt sie; es gibt ihnen das Leben, doch beansprucht keinen Besitz; es handelt, doch erwartet nichts als Gegenleistung; es ist der Älteste aller Dinge, doch beherrscht sie nicht — dies ist die „Dunkle Tugend".
Deutung: Heshanggongs Auslegung. „zhǎng" nimmt die Bedeutung von „Ältester, Anführer" an; „shì" nimmt die Bedeutung von „eine Belohnung erwarten" an. Das Tao nährt alle Dinge wie ein Ältester seine Nachkommen nährt, doch verlangt es nie eine Gegenleistung, behandelt die Zehntausend Dinge nie als Werkzeuge zu seinem Nutzen. „zǎi" trägt die Konnotation von „schlachten, um daraus Gerätschaften zu fertigen" — die Schöpfung nie als Werkzeuge behandeln. Diese Lesart hebt die Selbstlosigkeit des Tao hervor.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong (shànggōng): „dàosuǒshīwèishìwàngbàodàozhǎngyǎngwànzǎiwèiyòng。" („Das Tao handelt, ohne sich auf die Erwartung einer Belohnung zu stützen. Das Tao nährt alle Dinge als Ältester und schlachtet sie nicht, um daraus Gerätschaften zu fertigen.")
Kapitel 10 · Satz 7: shēngzhīchùzhīshēngéryǒuwèiérshìzhǎngérzǎishìwèixuán

[Deutung 3] Neuartig · Mittlere Glaubwürdigkeit

Kombination: xuánB-B
Übersetzung: Dies nennt man „Dunkle Tugend" (xuán) — die verborgene, unmerkliche innere Natur.
Deutung:xuán" nimmt die Bedeutung von „dunkel geheimnisvoll und unmerklich" an, und „" nimmt die Bedeutung von „" an (das Erlangte — die angeborene Natur, die vom Tao empfangen wird). Die „Dunkle Tugend" ist kein äußeres moralisches Verhalten, sondern die innere Natur, die alle Dinge vom Tao empfangen — sie ist verborgen und unmerklich, doch sie bildet das Fundament aller Existenz. Diese Lesart erhebt die „Dunkle Tugend" von der ethischen auf die ontologische Ebene.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „fányánxuánjiēyǒuérzhīzhǔchūyōumíng。" („Wann immer die ‚Dunkle Tugend' erwähnt wird, bezieht sie sich auf eine Tugend, die existiert, deren Herr aber unbekannt ist und die aus dem dunkel Geheimnisvollen hervortritt.")
Kapitel 10 · Satz 7: shēngzhīchùzhīshēngéryǒuwèiérshìzhǎngérzǎishìwèixuán

[Deutung 4] Traditionell · Hohe Glaubwürdigkeit

Kombination: quánzuòxiūshēnjiě
Übersetzung: (Der Übende soll dem Tao nacheifern:) Leben geben ohne zu besitzen, handeln ohne sich auf sein Vermögen zu stützen, führen ohne zu beherrschen — dies ist die tiefe und weitreichende Tugend.
Deutung: Diese Lesart verschiebt den gesamten Satz von der Beschreibung des „Tao" hin zur Verhaltensvorschrift für den Übenden. Die ersten sechs Sätze sind Fragen, die auf die persönliche Kultivierung zielen (die Einheit umfassen, Weichheit erreichen, die Betrachtung reinigen, ohne List regieren, weiblich sein, durch Nicht-Handeln wirken), und dieser Satz fasst den Zustand zusammen, den der Übende letztlich erreichen soll — geben wie das Tao, ohne etwas als Gegenleistung zu fordern. Selbstkultivierung und der Weg des Himmels sind hier vereint.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong (shànggōng): „yándàoxíngxuánmíngjiàn使shǐréndào。" („Es besagt, dass das Tao Tugend ausübt, dunkel geheimnisvoll und unmerklich — und wünscht, die Menschen wie das Tao werden zu lassen.")

Zusammenfassung des Kapitels

Dieses Kapitel enthält 25 Deutungskombinationen.

[Kerndifferenzen]

Kapitel 10 ist das am stärksten auf die Kultivierungstheorie konzentrierte Kapitel des Tao Te Ching. Es entfaltet sechs rhetorische Fragen in fortschreitenden Schichten, die sechs Dimensionen umfassen: Vereinigung von Form und Geist (zàiyíngbào), Atemregulierung und Lebenspflege (zhuānzhìróu), Kultivierung der inneren Natur (chúxuánlǎn), Regierung des Staates (àimínzhìguó), Umgang mit der Außenwelt (tiānménkāi) und höchste Klarheit mit Nicht-Handeln (míngbái). Die Kerndifferenz liegt darin: (1) Wang Bi und Heshanggong repräsentieren zwei diametral entgegengesetzte Kultivierungswege — Wang Bi betont die ontologische Betrachtung (die wahre Natur bewahren, gewähren lassen, Nicht-Handeln), während Heshanggong konkrete Übungen betont (Hun und Po nähren, das Lebens-Qi ausschließlich bewahren, Atemregulierung); (2) die Polysemie von „tiānmén" erlaubt es, den fünften Satz als Sinneskultivierung, Atemübung oder politische Weisheit zu lesen; (3) der Schlussbegriff „Dunkle Tugend" (xuán) erhebt das gesamte Kapitel von der konkreten Kultivierung auf die metaphysische Ebene — der Charakter des Tao ist das höchste Ziel des Übenden. Die Anordnung der sechs Fragen impliziert eine Hierarchie der Kultivierung: vom Körper zum Lebens-Qi zum Geist zur Gesellschaft zu Himmel und Erde, letztlich zusammenlaufend in der „Dunklen Tugend" — einer unendlich tiefen und weitreichenden Tugend des Gebens ohne jede Forderung einer Gegenleistung.

Anhang: Glossar der Schlüsselzeichen

zài
A. [Verb] Tragen, stützen
Quelle: Shuowen Jiezi: „zàichéng。" (zài bedeutet aufladen/tragen.) Die Bedeutung des Ladens und Tragens.
B. [Adv./Part.] Dann, also (Einleitungspartikel, ohne inhaltliche Bedeutung)
Quelle: Klassischer Gebrauch, bedeutet „daraufhin" oder „dann". Z.B. Shijing (Buch der Lieder): „zàichízài。" (Dann galoppierend, dann rennend.)
C. [Verb] Verweilen, sich aufhalten in
Quelle: Wang Bis Kommentar: „zàiyóuchù。" (zài bedeutet ‚verweilen'.)
yíng
A. [Subst.] Die Hun-Seele (yíng als Hun-Komponente des Hun-Po-Paares)
Quelle: Heshanggongs Kommentar: „yínghún。" (yíng bedeutet die Hun- und Po-Seelen.) yíng ist mit dem Hun verbunden und bezeichnet die Aktivität des geistigen Bewusstseins.
B. [Subst.] Ying-Qi, nährendes Qi (Konzept der traditionellen chinesischen Medizin; Lebens-Qi, das im Körper zirkuliert)
Quelle: Das Huangdi Neijing (Kanon des Gelben Kaisers) behandelt Ying-Qi und Wei-Qi, die Zirkulation des Lebens-Qi.
C. [Subst.] Die gewöhnliche Wohnstätte; der Körper (der Körper als Wohnstätte des Geistes)
Quelle: Wang Bis Kommentar: „yíngrénzhīchángchù。" (yíng ist die gewöhnliche Wohnstätte des Menschen.)
A. [Subst.] Die Po-Seele (der Geist, der von der physischen Form abhängt)
Quelle: Grundbedeutung. Shuowen Jiezi: „yīnshén。" ( ist der Yin-Geist.) Dem Hun gegenübergestellt; das Hun ist der Yang-Geist.
B. [Subst.] Tatkraft, Vitalität, körperliche Konstitution
Quelle: Erweiterte Bedeutung. Bezeichnet die geistige Kraft und Lebenskraft eines Menschen.
bào
A. [Verb] Umfassen, festhalten an
Quelle: Grundbedeutung. Mit den Armen umschließen. Erweitert: festhalten, ohne loszulassen.
A. [Zahl/Subst.] Eins; Einheit, Vereinigung (Einheit von Körper und Geist)
Quelle: Grundbedeutung. Bezeichnet hier den vereinten Zustand von Körper und Geist ohne Trennung.
B. [Subst.] Das Tao (dào); die Gesamtheit des Tao (philosophisches Konzept)
Quelle: Heshanggong: „zhědàoshǐsuǒshēngtàizhījīng。" (Das Eine ist das uranfängliche harmonische Lebens-Qi, das am Anfang des Tao geboren wurde.) Laozi, Kapitel 39: „tiānqīng。" (Der Himmel erlangte das Eine und wurde klar.)
C. [Subst.] Das Reine und Ungeteilte; rein und unvermischt
Quelle: Wang Bis Kommentar: „rénzhīzhēn。" (Das Eine ist die wahre Natur des Menschen.) Bezeichnet die reine, unvermischte wahre Natur.
néng
A. [Verb] Können, imstande sein
Quelle: Grundbedeutung.
A. [Adv.] Nicht, ohne
Quelle: Grundbedeutung.
A. [Verb] Sich trennen, sich zerstreuen
Quelle: Grundbedeutung. Trennung von Form und Geist, Entkopplung von Körper und Geist.
B. [Verb] Abweichen von, sich entfernen von
Quelle: Erweiterte Bedeutung. Vom Tao abweichen, vom Zustand reiner Einheit abkommen.
zhuān
A. [Verb] Sich konzentrieren, fokussieren
Quelle: Grundbedeutung. Wie in „zhuānxīnzhìzhì" (den Geist konzentrieren). Sich mit Ausschließlichkeit sammeln.
B. [Verb] Gewähren lassen, seinem Lauf folgen lassen (ohne Eingriff)
Quelle: Wang Bis Kommentar: „zhuānrèn。" (zhuān bedeutet ‚gewähren lassen'.) Den Dingen ihren natürlichen Lauf lassen.
C. [Verb] Ausschließlich bewahren, sich einzig widmen
Quelle: Erweiterte Bedeutung. Ausschließlich und hingebungsvoll bewahren.
A. [Subst.] Atem, das Qi der Atmung
Quelle: Grundbedeutung. Der menschliche Atem.
B. [Subst.] Lebens-Qi, uranfängliche Lebenskraft
Quelle: Ein Konzept der chinesischen Philosophie. Die Lebenskraft, die zwischen Himmel und Erde strömt.
C. [Subst.] Natürliches Qi (der kosmologische Prozess der Qi-Wandlung zwischen Himmel und Erde)
Quelle: Wang Bis „das natürliche Qi fließen lassen". Ein wichtiges Konzept der daoistischen Kosmologie.
zhì
A. [Verb] Herbeiführen, erreichen lassen
Quelle: Grundbedeutung. Wie in „zhì使shǐ" (verursachen).
B. [Verb] Das Äußerste erreichen, zum Extrem gelangen
Quelle: Wang Bis Kommentar: „zhì。" (zhì bedeutet ‚das Äußerste erreichen'.) Den höchsten Zustand erreichen.
róu
A. [Adj.] Weich, sanft
Quelle: Grundbedeutung. Das Gegenteil von „hart" (gāng).
B. [Adj.] Geschmeidig, der Natur nachgebend
Quelle: Erweiterte Bedeutung. Ein Lebenszustand, der weder hart noch erzwungen ist.
yīng
A. [Subst.] Säugling (ein neugeborenes Kind)
Quelle: Grundbedeutung. In Verbindung mit „ér" zu „yīngér" (Säugling).
ér
A. [Subst.] Kind, Kleines
Quelle: Grundbedeutung. In Verbindung mit „yīng" zur Bezeichnung eines Neugeborenen.
A. [Verb] Waschen, reinigen
Quelle: Grundbedeutung. Shuowen Jiezi: „。" ( bedeutet spülen.)
chú
A. [Verb] Beseitigen, entfernen
Quelle: Grundbedeutung. Fegen und Unreinheiten beseitigen.
xuán
A. [Adj.] Tief, geheimnisvoll
Quelle: Grundbedeutung. Tief und unergründlich.
B. [Subst.] Das Reich des dunkel Geheimnisvollen (die tiefste Ebene des Geistes)
Quelle: Heshanggongs Kommentar: „xīnxuánmíngzhīchù。" (Das Herz verweilt im Reich des dunkel Geheimnisvollen.) Bezeichnet die tiefe Schicht des inneren Geistes.
C. [Subst.] Das Äußerste der Dinge; der Zustand höchster Vollkommenheit
Quelle: Wang Bis Kommentar: „xuánzhī。" (xuán ist das Äußerste der Dinge.)
lǎn
A. [Verb/Subst.] Betrachtung; innere Schau des Geistes (Herzensspiegel)
Quelle: Heshanggong: „lǎnzhīwànshìwèizhīxuánlǎn。" (Alle Dinge wahrnehmen und erkennen — daher der Begriff ‚tiefe Betrachtung'.) Bezeichnet das Vermögen des Geistes, alle Dinge zu betrachten.
B. [Subst.] Spiegel (phonetische Entlehnung für „jiàn", Spiegel)
Quelle: Einige Gelehrte lesen „lǎn" als Entlehnung für „jiàn", wodurch „xuánlǎn" gleichbedeutend wird mit „xuánjiàn" — dem tiefen Herzensspiegel.
A. [Subst.] Makel, Fehler
Quelle: Grundbedeutung. Ein Defekt oder eine Unvollkommenheit.
B. [Subst.] Störender Gedanke; ein Hindernis, das den Geist beeinträchtigt
Quelle: Erweiterte Bedeutung. Unreinheiten, die die Klarheit des Geistes schädigen.
ài
A. [Verb] Lieben, sich kümmern um
Quelle: Grundbedeutung. Ein mitfühlendes Herz gegenüber anderen.
B. [Verb] Wertschätzen, hüten
Quelle: Erweiterte Bedeutung. Heshanggong deutet es als „das Qi wertschätzen".
mín
A. [Subst.] Das Volk, die einfachen Leute
Quelle: Grundbedeutung.
zhì
A. [Verb] Regieren, verwalten
Quelle: Grundbedeutung. Einen Staat regieren, Regierungsangelegenheiten behandeln.
B. [Verb] Sich selbst kultivieren, sich verfeinern
Quelle: Erweiterte Bedeutung. Heshanggongs doppelte Lesart von Körperkultivierung und Staatsregierung.
guó
A. [Subst.] Staat, Nation
Quelle: Grundbedeutung.
B. [Subst.] Der Körper (den Körper als Metapher für den Staat verwendend)
Quelle: Heshanggongs Tradition der doppelten Körper-Staats-Kultivierung: „zhìshēnzhěàishēnquán" (Bei der Körperkultivierung bewahrt die Wertschätzung des Qi den Körper unversehrt).
zhī
A. [Subst./Adj.] Listige Strategien (phonetische Entlehnung für „zhì")
Quelle: Im klassischen Chinesisch dient „zhī" häufig als Entlehnung für „zhì". Bezeichnet hier Tricks und politische Ränke.
B. [Verb] Wissen, sich bewusst sein
Quelle: Grundbedeutung. Durch Wissen und Erkenntnis lenken.
C. [Subst.] Bewusstes Gewahrsein; bewusstes Eingreifen
Quelle: Erweiterte Bedeutung. Aktives, absichtliches kognitives Eingreifen.
tiān
A. [Subst.] Der Himmel, die Natur
Quelle: Grundbedeutung. Der natürliche Weg des Himmels.
mén
A. [Subst.] Tor, Tür, Eingang
Quelle: Grundbedeutung.
tiānmén
A. Das Sinnestor (die Schnittstelle zwischen den Sinnesorganen — Augen, Ohren, Nase, Mund — und der Außenwelt)
Quelle: Traditionelle Auslegung. Die Sinne sind die Tore, durch die die Seele der Außenwelt begegnet.
B. Die Nasenlöcher (das Atemtor)
Quelle: Heshanggongs Kommentar: „tiānménwèikǒngkāiwèichuǎnwèi。" (‚Das Himmelstor' bezeichnet die Nasenlöcher. ‚Öffnen' bedeutet Keuchen; ‚Schließen' bedeutet Atmen.)
C. Das Tor, durch das alle Angelegenheiten der Welt gehen (das Tor der Schöpfung)
Quelle: Wang Bis Kommentar: „tiānméntiānxiàzhīsuǒcóngyóu。" (‚Das Himmelstor' ist der Durchgang, durch den alles unter dem Himmel geht.) Bezeichnet den Angelpunkt von Ordnung und Chaos, Aufstieg und Niedergang.
D. Der Palast der Purpurnen Feinheit am Nordpol (astronomisches Konzept)
Quelle: Heshanggongs andere Lesart: „tiānménwèiběiwēigōng。" (‚Das Himmelstor' bezeichnet den Palast der Purpurnen Feinheit am Nordpol.)
kāi
A. [Verb] Öffnen, aufschließen
Quelle: Grundbedeutung.
A. [Verb] Schließen, zumachen
Quelle: Grundbedeutung. Als Gegenstück zu „kāi".
A. [Adj./Subst.] Weiblich; sanfte Stille
Quelle: Die Grundbedeutung ist ein weibliches Tier. Erweitert: sanfte, ruhige, nicht wettstreitende Eigenschaften.
B. [Adj.] Passive Aufnahmebereitschaft; antworten ohne die Führung zu übernehmen
Quelle: Wang Bi: „yīngérchàngyīnérwèi。" (Das Weibliche bedeutet antworten ohne zu beginnen, folgen ohne zu handeln.)
míng
A. [Adj.] Hell, klar
Quelle: Grundbedeutung.
B. [Adj.] Durchdringend, einsichtig
Quelle: Erweiterte Bedeutung. Weise, fähig, die Prinzipien der Dinge zu erkennen.
bái
A. [Adj.] Klar, deutlich
Quelle: Grundbedeutung. Die Dinge klar verstehen.
A. [Zahl] Die vier Richtungen; überall
Quelle: Bezeichnet die vier Himmelsrichtungen, stellvertretend für „alle Richtungen".
A. [Verb] Erreichen, gelangen zu
Quelle: Grundbedeutung. Wie in „tōng" (in alle Richtungen zugänglich).
B. [Adj.] Gründlich bewandert, durchdringend erkennend
Quelle: Erweiterte Bedeutung. Prinzipien gründlich verstehen, überallhin gelangen.
shēng
A. [Verb] Leben geben, hervorbringen
Quelle: Grundbedeutung. Alle Dinge erschaffen.
chù
A. [Verb] Nähren, aufziehen
Quelle: Ausgesprochen xù. Die Bedeutung des Nährens und Aufziehens.
yǒu
A. [Verb] Besitzen, sich aneignen
Quelle: Grundbedeutung. Haben, besitzen.
wèi
A. [Verb] Tun, handeln, sich betätigen
Quelle: Grundbedeutung. Zur Tat schreiten.
shì
A. [Verb] Eine Belohnung erwarten
Quelle: Erweiterte Bedeutung. Nach dem Handeln eine Gegenleistung erwarten. Heshanggong: „shìwàngbào。" (Sich nicht auf die Erwartung einer Belohnung stützen.)
zhǎng
A. [Verb] Nähren, wachsen lassen
Quelle: Ausgesprochen zhǎng. Alle Dinge in ihrem Wachstum leiten.
B. [Verb/Subst.] Oberhaupt, Anführer; als Ältester dienen für
Quelle: Ausgesprochen zhǎng. Als Oberhaupt oder Anführer aller Dinge dienen.
zǎi
A. [Verb] Beherrschen, kontrollieren
Quelle: Erweiterte Bedeutung. Über alle Dinge herrschen und Macht über sie haben.
B. [Verb] Schlachten, ausbeuten
Quelle: Grundbedeutung. Heshanggong: „zǎiwèiyòng。" (Nicht schlachten, um daraus Gerätschaften zu fertigen.)
A. [Subst.] Tugend, moralischer Charakter
Quelle: Grundbedeutung. Das in den Dingen sich zeigende Tao wird Tugend () genannt.
B. [Subst.] Das Erlangte (phonetische Entlehnung für „", die empfangene angeborene Natur)
Quelle: Im klassischen Chinesisch dient „" als Entlehnung für „". Die angeborene Natur, die alle Dinge vom Tao empfangen.