Übersetzung: Wenig sprechen (wenige Befehle erlassen) entspricht der Natur; daher kann ein Wirbelwind keinen ganzen Morgen andauern und ein Platzregen keinen ganzen Tag.
Deutung: Die verbreitetste Deutung. „希言" (xī yán) = „wenig sprechen", was bedeutet, dass der Herrscher weniger Erlasse ausgeben und weniger eingreifen sollte — dies entspricht dem Weg der Natur. Wirbelwind und Platzregen dienen als Metaphern: Selbst die gewaltigsten Phänomene der Natur können nicht andauern, was im Umkehrschluss beweist, dass nur Sanftheit und Zurückhaltung der Weg zur Beständigkeit sind. Dieser Satz steht in Einklang mit Kapitel 17 „悠兮其贵言" („Wie zurückhaltend, wie er seine Worte schätzt") und Kapitel 56 „知者不言" („Der Wissende spricht nicht").
Ähnliche Ansichten: Heshanggong: „希言者,谓爱言也。爱言者,自然之道。" („‚Sparsame Worte' bedeutet, seine Worte zu schätzen. Seine Worte zu schätzen ist der Weg der Natur.")
Übersetzung: Lautlose Worte (sind die) [höchsten Worte der] Natur; daher können (so gewaltig sie auch sein mögen) Wirbelwinde keinen ganzen Morgen und Platzregen keinen ganzen Tag andauern.
Deutung: Wang Bi nimmt „希" (xī) im Sinne von „gehört, ohne wahrgenommen zu werden" — nicht „wenig sprechen", sondern: Worte, die wahrhaft dem Weg der Natur entsprechen, sind selbst „fade und geschmacklos", unhörbar. Hörbares, Auffälliges und Dramatisches ist von Natur aus gewaltsam (wie Wirbelwind und Platzregen), und zum Vergehen bestimmt; nur die unhörbaren „seltenen Worte" sind die ewigen, höchsten Worte der Natur.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „听之不闻名曰希……无味不足听之言,乃是自然之至言也。" („Was man hört, ohne es wahrzunehmen, heißt ‚xī'… Fade, kaum hörenswerte Worte sind in Wahrheit die höchsten Worte der Natur.") Dies korrespondiert mit Kapitel 41 „大音希声" („Der größte Klang ist kaum hörbar").
Übersetzung: Seine Worte zu schätzen (diese Haltung) entspricht der Natur; daher kann ein Wirbelwind keinen ganzen Morgen andauern und ein Platzregen keinen ganzen Tag.
Deutung: Hier nimmt „希" (xī) Heshanggongs Bedeutung von „爱" (schätzen, wertschätzen) an. Diese Deutung betont nicht die Menge — „weniger sprechen" — sondern die Haltung — „wertschätzen": Man darf sprechen, aber man sollte jede Gelegenheit zum Sprechen wertschätzen, sodass jedes Wort Gewicht hat. Dies entspricht genau der Qualität von „贵言" („die Worte schätzen"), die dem höchsten Herrscher in Kapitel 17 zugeschrieben wird.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong: „希言者,谓爱言也。" („‚Sparsame Worte' bedeutet, seine Worte zu schätzen.") Dies bildet ein Gegenstück zu Kapitel 17 „悠兮其贵言" („Wie zurückhaltend, wie er seine Worte schätzt").
Übersetzung: Wenig sprechen ist (von Natur aus) von-selbst-so; daher kann ein Wirbelwind keinen ganzen Morgen andauern und ein Platzregen keinen ganzen Tag.
Deutung: Diese Lesart zerlegt „自然" (zìrán) in „自+然" — „von-selbst-so", d.h. die ursprüngliche Natur der Dinge. Wenn Herrscher wenig sprechen und wenige Befehle erlassen, wandeln sich die zehntausend Wesen von selbst — dies ist die inhärente Funktionsweise der Dinge. Wirbelwind und Platzregen (menschliches Eingreifen, übermäßiges Handeln) verstoßen gegen das Prinzip des „ziran" (so-wie-die-Dinge-von-selbst-sind) und können daher nicht andauern.
Ähnliche Ansichten: Im Einklang mit Kapitel 25 „道法自然" („Das Tao nimmt sich zum Vorbild, was von selbst so ist").
Übersetzung: Wer bewirkt dies? Himmel und Erde.
Deutung: Eine rhetorische Frage mit selbstgegebener Antwort. Der Urheber von Wirbelwind und Platzregen ist Himmel und Erde — die mächtigste Kraft im Universum. Doch selbst Himmel und Erde können extreme Winde und Regenfälle nicht dauerhaft aufrechterhalten. Dies bereitet das Argument des nächsten Satzes vor: „天地尚不能久,而况于人乎" („Wenn selbst Himmel und Erde sie nicht dauern lassen können, wie viel weniger dann die Menschen!").
Ähnliche Ansichten: Heshanggong: „孰,谁也。谁为此飘风暴雨者乎?天地所为。" („‚Shú' bedeutet ‚wer'. Wer erzeugt diese Wirbelwinde und heftigen Regenfälle? Es ist das Werk von Himmel und Erde.")
Übersetzung: Wer bewirkt dies? Die Natur (als Gesamtkraft).
Deutung: „天地" (tiān dì) bezeichnet nicht nur den physischen Himmel und die Erde, sondern repräsentiert die Gesamtheit der wirkenden Kräfte der Natur. Diese Deutung impliziert, dass selbst die Natur selbst extreme Phänomene hervorbringt (Wirbelwind und Platzregen), aber die Gesetze der Natur bestimmen, dass Extreme nicht andauern können. Der Normalzustand der Natur ist sanfte Brise und feiner Regen, stetig und unaufhörlich; Gewalt ist nur eine gelegentliche Ausnahme.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „言暴疾美兴不长也。" („Dies besagt, dass was gewaltsam und eindrucksvoll aufsteigt, nicht lange währt.")
Übersetzung: Selbst Himmel und Erde können (den extremen Wind und Regen) nicht dauern lassen — wie viel weniger die Menschen!
Deutung: Das klassische Argument des „Vergleichs der Menschen mit Himmel und Erde". Die Logik ist streng: Himmel und Erde sind die größte Macht → doch selbst ihre Extreme können nicht andauern → die Macht des Menschen ist Himmel und Erde weit unterlegen → daher können menschliche Extreme noch weniger andauern. Folglich werden Tyrannei, strenge Erlasse und ungeduldiges Streben nach schnellen Ergebnissen alle schlecht enden.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong: „天地至神合为飘风暴雨,尚不能使终朝至暮,何况人欲为暴卒乎。" („Himmel und Erde, höchst göttlich, vereinen sich zu Wirbelwinden und heftigem Regen, können sie aber dennoch nicht vom Morgen bis zum Abend aufrechterhalten — wie viel weniger der Mensch, der gewaltsam und überstürzt handeln will!")
Übersetzung: Selbst Himmel und Erde können gewaltsame Phänomene nicht dauern lassen — wie viel weniger ein Mensch (Herrscher)!
Deutung: Hier bezieht sich „人" (rén) speziell auf Herrscher, die tyrannische Herrschaft ausüben. Dies verweist auf die vier Stufen der Herrschaft in Kapitel 17 — Herrscher, die durch „畏" (Furcht und Strafe) regieren, sind wie Wirbelwind und Platzregen: dem Anschein nach eindrucksvoll, aber zum Vergänglichen bestimmt.
Ähnliche Ansichten: Der politisch-philosophische Faden des gesamten Kapitels.
Übersetzung: Daher: Wer seine Angelegenheiten gemäß dem Tao (道) führt — wer das Tao verfolgt, wird eins mit dem Tao;
Deutung: Die verbreitetste Deutung. „从事于道" („seine Angelegenheiten gemäß dem Tao führen") dient als allgemeine These — das Tao als Leitprinzip nehmen. Dann werden drei Fälle unterschieden, entsprechend dem Tao (道), der Tugend/Te (德) und dem Verlust (失). „道者同于道" bedeutet, dass jene, die wahrhaft das große Tao verfolgen, Körper und Geist damit verschmelzen, durch Nicht-Handeln (无为) wirkend und nichts unvollendet lassend.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „从事于道者,以无为为君,不言为教,绵绵若存而物得其真,与道同体,故曰同于道。" („Wer sich dem Tao widmet, nimmt das Nicht-Handeln als Herrschaftsprinzip und wortlose Belehrung als Unterweisung; stetig, als ob kaum existierend, erlangen alle Wesen ihre Wahrheit. Sie teilen dieselbe Substanz mit dem Tao, daher ‚eins mit dem Tao'.")
Übersetzung: Daher: Wer in Übereinstimmung mit dem Tao handelt — wer das Tao praktiziert, stimmt mit dem Tao überein;
Deutung: Hier nimmt „从" (cōng) Heshanggongs Bedeutung von „为" (tun) an, und „同" bedeutet „übereinstimmend, konform". Diese Lesart betont stärker das Handeln — nicht müßiges Reden über das Tao, sondern dem Tao im konkreten Verhalten folgen. „同于道" ist keine mystische Einheitserfahrung, sondern Verhaltenskonsistenz mit dem Tao.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong: „从,为也。人为事当如道安静。" („‚Cōng' bedeutet ‚tun'. Bei der Führung seiner Angelegenheiten sollte man so still sein wie das Tao.")
Übersetzung: Daher: Unter jenen, die sich dem Tao widmen — jene, die das Tao lieben, weilen beim Tao;
Deutung: Heshanggong präzisiert „道者" als „好道之人" (jene, die das Tao lieben) — Menschen, die sich am Tao erfreuen und es verfolgen. „同于道" geschieht nicht automatisch; es erfordert aktive Suche und Praxis. Diese Lesart hat größere Relevanz für die geistige Kultivierung: Man wird zu dem, was man verfolgt.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong: „道者,谓好道人也。同于道者,所谓与道同也。" („‚Jene des Tao' bezeichnet jene, die das Tao lieben. ‚Eins mit dem Tao' bedeutet, zusammen mit dem Tao zu weilen.")
Übersetzung: Wer (die) Tugend/Te (德) (verfolgt), wird eins mit der Tugend;
Deutung: Die Tugend/Te (德) steht unter dem Tao — obwohl sie nicht das höchste Reich des Tao erreicht haben, sammeln die Tugendhaften durch Kultivierung Güte an und offenbaren die Qualitäten des Tao. „同于德" bedeutet, dass tugendhaftes Verhalten als Charakter verinnerlicht wird und gute Taten natürlich fließen, ohne bewusste Anstrengung. Dies entspricht der Kultivierung auf der Ebene von „Menschlichkeit und Gerechtigkeit" und der zweiten Stufe der Herrscher in Kapitel 17.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong: „德者,谓好德之人也。同于德者,所谓与德同也。" („‚Jene der Tugend' bezeichnet jene, die die Tugend lieben. ‚Eins mit der Tugend' bedeutet, zusammen mit der Tugend zu weilen.")
Übersetzung: Wer „erlangt" hat (得), teilt dieselbe Substanz mit dem „Erlangen";
Deutung: Wang Bi glossiert „德" einzigartig als „得" (Erlangen) — „少则得" („wer wenig nimmt, erlangt"). Diese Lesart konstruiert eine dreistufige Struktur „道-得-失" (Tao–Erlangen–Verlust): das Tao ist das Höchste (vollständiges Nicht-Handeln), Erlangen die nächste Stufe (wenig handeln, wenig nehmen), und Verlust die niedrigste (viel handeln, viel nehmen).
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „德,少也,少则得,故曰得也。行得则与得同体。" („‚De' bedeutet ‚wenig'; wer wenig nimmt, erlangt — daher ‚Erlangen'. Wer das Erlangen praktiziert, teilt dieselbe Substanz mit dem Erlangen.")
Übersetzung: Wer Tao und Tugend verloren hat, wird eins mit dem „Verlust".
Deutung: Die grundlegendste Lesart. Sobald jemand von Tao und Tugend abweicht, versinkt er immer tiefer in den Zustand des „Verlustes" — Gleiches gesellt sich zu Gleichem, und wer verliert, verliert weiter. Dies ist keine äußere Bestrafung, sondern das Naturgesetz des „Gleich und Gleich gesellt sich gern" (同声相应,同气相求).
Ähnliche Ansichten: Heshanggong: „同于失者,所谓与失同也。" („‚Eins mit dem Verlust' bedeutet, zusammen mit dem Verlust zu weilen.")
Übersetzung: Wer mit Übermaß belastet ist, teilt dieselbe Substanz mit dem „Verlust".
Deutung: Wang Bi definiert „失" (shī) als „累多" (mit Übermaß belastet) — je mehr Lasten, Bindungen und Begierden man trägt, desto weiter entfernt man sich vom Tao. Dies steht im Einklang mit der daoistischen Philosophie des „少则得、多则惑" („Nimm wenig und du gewinnst; nimm viel und du bist verwirrt", Kapitel 22).
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „失,累多也。累多则失,故曰失也。行失则与失同体。" („‚Verlust' bedeutet mit Übermaß belastet. Wenn die Lasten sich häufen, verliert man — daher ‚Verlust'. Wer den Verlust praktiziert, teilt dieselbe Substanz mit dem Verlust.")
Übersetzung: Wer nur sich selbst dient und die Menschen verliert, gesellt sich zum „Verlust".
Deutung: Heshanggong konkretisiert „失" (shī) als „任己而失人" (sich selbst dienen und die anderen verlieren) — eigennützig handeln und andere missachten. Diese Menschen verlieren natürlich das Herz und Vertrauen des Volkes und enden schließlich vollständig identifiziert mit dem „Verlust". Diese Lesart hat eine starke politische Ausrichtung: der Tyrann, der „sich selbst dient und das Volk verliert", wird dem Schicksal „其下侮之" („das Volk verachtet ihn") begegnen.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong: „失,谓任己而失人也。" („‚Verlust' bedeutet, sich selbst zu dienen und die anderen zu verlieren.") Dies korrespondiert mit Kapitel 17 „其次侮之" („die nächste [schlechteste] Stufe: das Volk verachtet ihn").
Übersetzung: Wer eins ist mit dem Tao — das Tao empfängt ihn ebenfalls mit Freude;
Deutung: Die verbreitetste Deutung. Das Tao ist nicht passiv; es „empfängt" aktiv diejenigen, die ihm entsprechen. Dies spiegelt eine Kosmologie der sympathetischen Resonanz wider — wenn du einen Schritt auf das Tao zugehst, geht das Tao einen Schritt auf dich zu. Dies ist nicht der Wille einer personalisierten Gottheit, sondern die Manifestation des Naturgesetzes: Wer der Natur folgt, dem hilft die Natur.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong: „与道同者,道亦乐得之也。" („Wer eins ist mit dem Tao — das Tao empfängt ihn ebenfalls mit Freude.")
Übersetzung: Wer eins ist mit dem Tao — das Tao schwingt ebenfalls mit Freude mit ihm in Einklang.
Deutung: Hier nimmt „得" (dé) die Bedeutung von „in Einklang schwingen" an. Diese Lesart betont stärker die Gegenseitigkeit — das Tao „gibt" nichts; das Tao und diese Person schwingen miteinander in einer sich gegenseitig bereichernden Weise. Die beiden sind nahtlos eins, ohne Unterscheidung von Gebendem und Empfangendem.
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „言随行其所,故同而应之。" („Dies besagt, dass man dem folgt und gemäß dem handelt, was man ist, und daher antwortet Gleiches auf Gleiches.")
Übersetzung: Wer eins ist mit der Tugend — die Tugend empfängt ihn ebenfalls mit Freude;
Deutung: In vollkommenem Parallelismus zu „同于道者,道亦乐得之". Wer Tugend kultiviert und Verdienste ansammelt — die Kraft des Guten versammelt sich um ihn, günstige Umstände konvergieren und gute Ergebnisse nähern sich, als Manifestation des Naturgesetzes „Gleich und Gleich gesellt sich gern" im moralischen Bereich.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong: „与德同者,德亦乐得之也。" („Wer eins ist mit der Tugend — die Tugend empfängt ihn ebenfalls mit Freude.")
Übersetzung: Wer sich dem Verlust (Verlust von Tao und Tugend) angleicht — der Verlust „findet" ihn ebenfalls mit Freude.
Deutung: „失亦乐得之" ist von tiefer Einsicht — der „Verlust" (Verfall, Einbuße) wird aktiv diejenigen „aufsuchen", die seinesgleichen sind. Sobald jemand den Weg des Scheiterns einschlägt, ist das Scheitern nicht nur ein Ergebnis, sondern wird zu einer sich selbst verstärkenden Dynamik: Je mehr man verliert, desto leichter fällt es, weiter zu verlieren. Dies ist der philosophische Ausdruck des Teufelskreises.
Ähnliche Ansichten: Heshanggongs Kommentar ändert diese Phrase bemerkenswert zu „失亦乐失之也" („der Verlust lässt ihn ebenfalls gerne verlieren"), um die selbstreplizierende Natur des „Verlustes" zu betonen.
Übersetzung: Wer sich dem Verlust angleicht — der Verlust lässt ihn ebenfalls gerne verlieren.
Deutung: Heshanggongs Text liest „失亦乐失之" statt „失亦乐得之" — ein Unterschied von nur einem Zeichen mit tiefgreifenden Implikationen: nicht „der Verlust empfängt ihn gerne" (ihn in die Reihen der Verlorenen einreihen), sondern „der Verlust lässt ihn gerne verlieren" (ihn unablässig berauben). Diese Version betont stärker die zerstörerische Natur des „Verlustes" — der Verlust ist eine verschlingende Kraft.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong: „与失同者,失亦乐失之也。" („Wer eins ist mit dem Verlust — der Verlust lässt ihn ebenfalls gerne verlieren.")
Übersetzung: Wenn die Vertrauenswürdigkeit (des Herrschers) unzureichend ist, entsteht naturgemäß Misstrauen.
Deutung: Dieser Satz ist identisch mit einem Satz aus Kapitel 17, und sein Wiederauftreten hier schafft ein bewusstes intertextuelles Echo. Im Kontext dieses Kapitels entspricht „信不足" (unzureichende Vertrauenswürdigkeit) der vorangehenden Erörterung von Tao, Tugend und Verlust — der Zusammenbruch des Vertrauens ist eine konkrete Manifestation von „wer sich dem Verlust angleicht — der Verlust findet ihn ebenfalls".
Ähnliche Ansichten: Wang Bi: „忠信不足于下,焉有不信也。" („Wenn Treue und Vertrauenswürdigkeit unten unzureichend sind, wird es naturgemäß Misstrauen geben.") Perfektes intertextuelles Echo mit Kapitel 17.
Übersetzung: Wenn Treue und Vertrauenswürdigkeit von unten unzureichend sind, folgt Misstrauen als Antwort.
Deutung: Heshanggong behandelt diesen Satz als Zusammenfassung des gesamten Kapitels. Die vorangehende Erörterung etablierte das Gesetz „Gleiches antwortet auf Gleiches" zwischen Tao, Tugend und Verlust; dieser Satz kehrt auf die konkrete politische Ebene zurück: Vertrauen zwischen Herrscher und Minister folgt demselben Prinzip. Gibst du Vertrauenswürdigkeit, erntest du Vertrauen; ist deine Vertrauenswürdigkeit unzureichend, erntest du Misstrauen.
Ähnliche Ansichten: Heshanggong: „君信不足于下,下则应君以不信也……此言物类相归,同声相应,同气相求。" („Wenn die Vertrauenswürdigkeit des Herrschers gegenüber den Unteren unzureichend ist, antworten die Unteren dem Herrscher mit Misstrauen… Dies besagt, dass Dinge gleicher Art zusammenfinden, gleiche Töne aufeinander antworten und gleiche Kräfte einander suchen.")
Übersetzung: Wenn Vertrauenswürdigkeit unzureichend ist, wird es Misstrauen geben (dies ist der Weg der Natur).
Deutung: Einige Gelehrte vermuten, dass dieser Satz ein fehlplatziertes Bambusplättchen sein könnte, das aus Kapitel 17 interpoliert wurde (sein Auftreten in zwei Kapiteln ist ungewöhnlich), oder dass spätere Herausgeber den Satz aus Kapitel 17 hier eingefügt haben, um die intertextuelle Verbindung zu stärken. Andere Gelehrte argumentieren jedoch, dass Laozi selbst die Gewohnheit hatte, Schlüsselphrasen über verschiedene Kapitel hinweg zu wiederholen, was dies zu einer bewussten intertextuellen Betonung und nicht zu einem Schreibfehler macht.
Ähnliche Ansichten: Diskussionen unter verschiedenen Textkritikern.
Dieses Kapitel enthält 24 Deutungskombinationen.
[Kerndifferenzen]
Kapitel 23 eröffnet mit „希言自然" („sparsame Worte entsprechen der Natur") und verwendet Wirbelwinde und Platzregen als Metaphern, um die natürlichen Grundlagen von Laozis Philosophie der „seltenen Worte" und des „Nicht-Handelns" (无为) darzulegen. Die Struktur des Kapitels lässt sich in drei Schichten gliedern: (1) Das Naturargument (希言自然 → Wirbelwinde und Platzregen können nicht andauern → selbst Himmel und Erde können sie nicht dauern lassen, wie viel weniger die Menschen), das von Naturphänomenen auf Verhaltensprinzipien schließt; (2) Das Gesetz der sympathetischen Resonanz (Wer zum Tao gehört, wird eins mit dem Tao; wer zur Tugend gehört, wird eins mit der Tugend; wer zum Verlust gehört, wird eins mit dem Verlust → Tao/Tugend/Verlust empfangen sie mit Freude), das ein kosmisches Gesetz des „Gleich und Gleich gesellt sich gern" konstruiert; (3) Die Rückkehr zum Vertrauen (wenn Vertrauenswürdigkeit unzureichend ist, entsteht Misstrauen), vom metaphysischen Plan zurück zur politischen Ethik. Das Kapitel bildet insgesamt ein Gegenstück zu Kapitel 17: Kapitel 17 erörtert vier Stufen der Herrschaft aus der Perspektive der Regierung, während Kapitel 23 theoretische Unterstützung auf der Grundlage von Naturgesetz und kosmischen Prinzipien für den Wert der „seltenen Worte" bietet.